Abbau in Kiew vollzogen

In Kiew ist das Denkmal für Michail Bulgakow am Andreassteig demontiert worden. Der Kiewer Stadtrat hatte den Abbau nach Angaben aus dem Umfeld der Stadtpolitik bereits im Dezember des Vorjahres beschlossen.

Die Entfernung des Denkmals greift eine seit längerem geführte Debatte auf: Wie soll die Ukraine mit russischsprachigen Autoren, mit dem kulturellen Erbe des Zarenreichs und der Sowjetzeit sowie mit prominenten Figuren umgehen, die biografisch mit ukrainischen Städten verbunden sind, deren Werk aber eng mit russischer Kultur verknüpft ist.

Bulgakow als Symbol einer grösseren Auseinandersetzung

Der Fall Bulgakow ist in der Ukraine seit längerem umstritten. Kritiker des Denkmals verweisen darauf, dass der Schriftsteller in seinen Werken das ukrainische nationale Projekt abwertend dargestellt habe. Gegner des Abrisses halten dagegen, Bulgakow sei einer der bekanntesten in Kiew geborenen Autoren und Teil der Stadtgeschichte.

Die Diskussion reicht damit über die Person Bulgakow hinaus. Sie berührt die Frage, ob ukrainische Erinnerungspolitik vor allem auf Abgrenzung von Russland setzt oder ob auch mehrdeutige, sprachlich und kulturell gemischte Biografien ihren Platz behalten sollen.

Debatte über Sprache und Identität

Im weiteren politischen Streit wird der Umgang mit Bulgakow mit der ukrainischen Sprach- und Identitätspolitik verknüpft. Seit Jahren gibt es in der Ukraine Auseinandersetzungen darüber, wie weit Ukrainisierung in Schule, Medien, Kultur und öffentlichem Raum gehen soll. Nach Beginn der russischen Vollinvasion haben sich diese Prozesse deutlich beschleunigt.

Befürworter einer harten kulturellen Abgrenzung sehen darin eine notwendige Antwort auf Russlands Krieg. Andere warnen vor einer zu engen Definition ukrainischer Identität und verweisen darauf, dass auch viele russischsprachige Ukrainer das Land verteidigen und Teil der politischen Nation sind.

Der Abbau des Bulgakow-Denkmals wird deshalb nicht nur als kommunale Kulturentscheidung gelesen, sondern auch als Zeichen dafür, welche historische Erzählung in Kiew derzeit Vorrang hat.

Kiew entfernt Bulgakow-Denkmal am Andreassteig