Schwere Schäden in mehreren Kiewer Stadtteilen
Bei einer massiven russischen Nachtattacke auf Kiew und das Umland sind nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Allein in Kiew kamen 11 Menschen ums Leben, drei weitere im Gebiet Kiew. Dutzende wurden verletzt.
Besonders schwer betroffen war der Podilskyj-Bezirk. Dort traf eine Rakete ein neunstöckiges Wohnhaus. Nach Angaben der Behörden wurden in diesem Gebäude fünf Todesopfer geborgen. Zudem wurde ein 21-stöckiges Haus beschädigt, in dem es zwischen dem dritten und vierten Stock zu einem Teileinsturz kam. In demselben Bezirk brachen an vier Wohnobjekten Brände aus.
Auch der Darnyzkyj-Bezirk wurde schwer getroffen. Dort wurde ein 25-stöckiges Wohnhaus im Bereich des vierten Stocks beschädigt. 22 Menschen mussten aus oberen Stockwerken evakuiert werden. In einem weiteren 30-stöckigen Gebäude gerieten der 23. und 24. Stock in Brand. Nach Angaben des Innenministeriums starben im Darnyzkyj-Bezirk sechs Menschen, nachdem eine Rakete in einen Innenhof zwischen Wohnhäusern eingeschlagen war.
Das Innenministerium spricht insgesamt von rund 30 erheblich beschädigten Wohnhäusern in Kiew. 64 Menschen seien gerettet worden.
Angriffe auch auf das Umland und die Energieversorgung
Im Kiewer Vorort Wyschnewe kam es während der Nacht zu einer starken Explosion und einem anhaltenden Grossbrand. Wegen der Gefahr einer weiteren Detonation wurden dort nach Angaben des Innenministeriums mehr als 500 Menschen evakuiert. Die Stadtverwaltung richtete Evakuierungspunkte ein.
Ukrenerho meldete zudem Angriffe auf die Energieinfrastruktur. In den Gebieten Kiew, Tschernihiw, Sumy, Charkiw, Dnipropetrowsk und Saporischschja begannen demnach Stromabschaltungen.
Auch der Bahnverkehr war betroffen. Nach Angaben der ukrainischen Bahn kam es am Morgen des 6. Juli bei mindestens 14 Fernzügen zu teils massiven Verspätungen. Als Ursache wurde der Einfluss der Kampfhandlungen genannt.
68 Raketen und 351 Drohnen
Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, Russland habe in der Nacht 68 Raketen und 351 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert. Hauptziel des Angriffs sei Kiew gewesen.
Nach diesen Angaben wurden 31 von 33 Marschflugkörpern des Typs Ch-101 abgefangen, ebenso alle sechs gemeldeten Kalibr-Raketen. Bei den gemeldeten Starts von sechs Zircon- oder Oniks-Raketen sowie 23 Iskander-M- oder S-400-Raketen wurden keine Abschüsse ausgewiesen. Zudem seien 326 Drohnen entweder abgeschossen oder elektronisch unterdrückt worden.
Die Luftstreitkräfte meldeten Einschläge von 29 Raketen und 18 Drohnen an 34 Orten. Trümmer abgeschossener Flugkörper seien an weiteren 16 Orten niedergegangen.
Kiew fordert mehr Patriot-Abfangraketen
Nach dem Angriff verwiesen ukrainische Stellen erneut auf einen Mangel an Abfangraketen für Patriot-Systeme. Luftwaffensprecher Jurij Ihnat sagte, für die Abwehr ballistischer Raketen brauche die Ukraine vor allem eine stetige Lieferung von Lenkwaffen.
Unsere Krieger haben gute Resultate beim Abschuss von Drohnen und Marschflugkörpern gezeigt, aber leider nicht bei der russischen Ballistik. Der Grund liegt genau in den unzureichenden Lieferungen von Abfangraketen. Es ist sehr wichtig, dass die Welt, vor allem Amerika und unsere europäischen Partner, aus dem NATO-Gipfel in Ankara mit starken Entscheidungen zur Unterstützung unseres Schutzes des Himmels hervorgeht, also zum Schutz des Lebens gewöhnlicher Menschen. Solange Raketen für die Patriots in den Lagern der Verbündeten bleiben, ermutigt das Russland nur weiter dazu, Wohnhäuser zu treffen. Die USA und Europa haben genug Kraft, diesen Terror zu stoppen.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Russland erklärte seinerseits, Ziel des nächtlichen Grossangriffs seien Unternehmen der Rüstungsindustrie, Energieobjekte in Kiew und im Gebiet Kiew sowie Militärflugplätze in mehreren Regionen gewesen. Eine ukrainische Bestätigung für Treffer auf die von Moskau genannten Objekte lag zunächst nicht vor.




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