Mindestens 13 Tote und Dutzende Verletzte
Kiew hat den 3. Juli nach dem schweren russischen Nachtangriff zum Tag der Trauer erklärt. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass an diesem Tag alle Unterhaltungsveranstaltungen in der Stadt verboten sind.
Nach Angaben der Rettungsdienste wurden bei den Angriffen mindestens 17 Menschen getötet. Klitschko sprach zudem von 86 Verletzten, 70 davon in Spitälern. Unter den Verletzten sind laut Stadtverwaltung auch zwei Kinder.
Die Angriffe trafen Kiew in der Nacht über Stunden. Bereits am Abend hatten sich deutlich mehr Menschen als üblich für die Nacht in der Metro aufgehalten, während Luftalarm wegen Drohnen anhielt und weitere Raketenangriffe erwartet wurden.
Schäden in allen Stadtbezirken
Nach Angaben der Behörden wurden die Folgen der Angriffe an mehr als 30 Orten in allen Bezirken der Hauptstadt registriert. Besonders schwer betroffen waren Wohngebäude.
Im Stadtbezirk Darnyzja wurde laut Innenministerium ein Hochhaus am stärksten getroffen; ein Raketeneinschlag riss Teile des Gebäudes weg. Im Schewtschenkiwskyj-Bezirk wurden eine fünfstöckige Wohnliegenschaft zerstört sowie ein Wohnhaus, ein Hotel und ein Nichtwohngebäude durch Feuer beschädigt. Im Petscherskyj-Bezirk wurde ein neunstöckiges Haus beschädigt, ausserdem brach ein Brand aus. Im Holossijiwskyj-Bezirk brannte die technische Etage eines Hochhauses, in Obolon eine Lagerfläche.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, in Kiew seien Schäden an mehr als 20 Orten festgestellt worden, überwiegend an gewöhnlichen Wohnhäusern. Betroffen seien zudem eine Ambulanzstation, ein wissenschaftliches Institut, ein Hotel und Unternehmen. Die Rettungskräfte setzten die Suche in den Trümmern am Morgen fort.
Es gibt sehr erhebliche direkte Treffer auf Wohnhäuser, wo aus den Trümmern leider auch Tote geborgen werden.
Timur Tkatschenko · Leiter der Militärverwaltung von Kiew
Luftwaffe meldet grossen Angriff
Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten in der Nacht landesweit 74 Raketen und 496 Drohnen. Nach ihren Angaben wurden 48 Raketen und 476 Drohnen abgeschossen. Nicht abgefangen worden seien unter anderem alle vier Raketen vom Typ Zirkon, 20 von 24 ballistischen Raketen des Typs Iskander sowie zwei Marschflugkörper des Typs Ch-101 aus einer Salve von 34.
Die Luftwaffe sprach von Einschlägen von 25 ballistischen Raketen und 12 Angriffsdrohnen an 33 Orten sowie von Trümmerteilen abgeschossener Drohnen an 18 weiteren Orten. Angaben zu mehreren Raketen würden noch präzisiert.
Der ukrainische Militärbeobachter Bohdan Miroschnykow sprach von einem aussergewöhnlich komplexen Angriff auf Kiew. Nach seiner Einschätzung wurden dabei erstmals in grossem Umfang reaktive Shahed-Drohnen eingesetzt. Er schätzte, dass auf die Hauptstadt insgesamt rund 60 Raketen verschiedener Typen sowie mehr als 100 Drohnen abgefeuert wurden.
Russland nennt militärische und industrielle Ziele
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel der Nachtangriffe seien Betriebe der Rüstungsindustrie, Energieanlagen in Kiew und im Gebiet Kiew sowie die Infrastruktur von Militärflugplätzen in mehreren Regionen gewesen. Später nannte Moskau unter anderem das Unternehmen Antonow, den Kiewer Radiowerkkomplex, weitere Betriebe der Radioelektronik sowie ein Logistikzentrum in Tschaika.
Ukrainische Stellen bestätigten diese Zielangaben nicht. Die Behörden in Kiew meldeten dagegen schwere Schäden an Wohnhäusern, ziviler Infrastruktur und Unternehmen. In der Region Kiew brannte nach Angaben der Rettungsdienste im Bezirk Butscha zudem ein Industriebetrieb; in mehreren Orten wurden Wohnhäuser und Fahrzeuge beschädigt.




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