Opfer und Schäden in Kiew und im Umland
Bei einem grossangelegten russischen Angriff auf Kiew und die Region Kiew sind in der Nacht mindestens 17 Menschen getötet worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach später von 17 Toten und 44 Verletzten. Zuvor hatten die Behörden von mindestens 15 Todesopfern und 51 Verletzten berichtet.
Nach den zunächst veröffentlichten Angaben entfielen 14 Todesopfer auf die Region Kiew und eines auf die Hauptstadt. Besonders schwer betroffen war der Rajon Browary mit neun Toten. Weitere Todesopfer wurden aus dem Rajon Butscha und dem Rajon Fastiw gemeldet.
Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn Ukrsalisnyzja starben ein Teil der Opfer auf einer Bahnplattform nahe der angegriffenen Logistikzentren.
Lager, Sortierzentren und Industrieanlagen getroffen
Die Angriffe trafen vor allem Logistik- und Verteilzentren in Kiew und im Umland. Betroffen waren unter anderem Anlagen von Nowa Poschta, Rozetka, Novus und Epicentr.
In Kiew brannten unter anderem ein Nichtwohngebäude im Rajon Obolon sowie ein Lager eines Novus-Geschäfts im Rajon Swjatoschyn. Weitere Brände wurden aus den Rajons Holossijiw und Desna gemeldet. Die Rettungskräfte teilten später mit, die Feuer in den angegriffenen Kiewer Lagern seien gelöscht worden.
In der Region Kiew kam es zu grossen Bränden in Browary, Welyka Dymerka, Kwitnewe und Peremoha. In Tschaiky geriet ein Logistikzentrum in Brand, in Sofijiwska Borschtschahiwka ein Logistikbetrieb. Im Rajon Fastiw brannten Fahrzeuge auf dem Gelände eines Unternehmens.
Das Unternehmen Epicentr meldete, ein Mitarbeiter sei getötet und drei weitere seien verletzt worden. Nach Firmenangaben wurden zwei Lagerkomplexe vollständig zerstört, ebenso ein wichtiges Werk der Keramikproduktion in Kalyniwka. Das Unternehmen kündigte einen Produktionsstopp an und rechnet für den Wiederaufbau mit mindestens eineinhalb bis zwei Jahren.
Nowa Poschta teilte mit, im zerstörten Sortierzentrum in Kiew seien drei Menschen ums Leben gekommen: zwei Fahrer eines Partnerunternehmens und ein Mitarbeiter einer Fremdfirma. Acht weitere Menschen wurden demnach verletzt.
Die Miteigentümerin von Rozetka erklärte, das zerstörte Lager in Browary sei der grösste und am stärksten automatisierte Standort des Unternehmens gewesen. Dort seien täglich mehr als 100'000 Bestellungen verarbeitet worden.
Es ist unmöglich, ihn wiederherzustellen.
Iryna Tschetschetkina · Miteigentümerin von Rozetka
Ukrainische Luftwaffe meldet 28 Raketen und 115 Drohnen
Die ukrainischen Luftstreitkräfte teilten mit, Russland habe in der Nacht 28 Raketen auf die Ukraine abgefeuert. Demnach handelte es sich um 24 ballistische Raketen vom Typ Iskander-M beziehungsweise S-400 sowie um vier Raketen des Typs Zirkon oder Oniks. Keine der 28 Raketen sei abgefangen worden.
Zudem seien 115 Kampfdrohnen gestartet worden, von denen 98 abgeschossen worden seien.
Selenskyj verband die hohen Opferzahlen mit fehlenden Mitteln zur Abwehr ballistischer Raketen und forderte die westlichen Partner zu schnelleren Lieferungen und zu zusätzlichen Sanktionen auf.
Abfangsysteme gegen ballistische Raketen hätten den heute Getöteten das Leben retten können. Es ist sehr wichtig, dass die Partner verstehen: Verzögerungen bei ihrer Lieferung oder mangelnde Bereitschaft, solche Systeme weiterzugeben, führen genau zu solchen furchtbaren Opfern und Zerstörungen.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Russland spricht von Angriffen auf militärisch genutzte Logistik
Russland erklärte, in Kiew und in der Region seien Transport-, Logistik- und Verteilzentren angegriffen worden. Nach russischer Darstellung seien diese für Lagerung und Transport von Waffen, militärischer Fracht sowie für Produktion und Verteilung von Drohnen genutzt worden.
Das russische Verteidigungsministerium nannte dabei unter anderem den Logistikkomplex MLP-Tschaika, Einrichtungen von Nowa Poschta, Trans-Logistik und Epicentr in Kiew sowie mehrere Logistikzentren in Browary.
Ukrainische Stellen beschrieben die betroffenen Objekte vor allem als zivile Lager-, Sortier- und Produktionsstandorte.
Luftqualität in Kiew zeitweise verschlechtert
Auf einem Industriegelände im Rajon Holossijiw kam es nach dem Angriff zu einem Ammoniakaustritt. Zudem verschlechterte sich in Teilen der Hauptstadt nach den Bränden die Luftqualität. Die höchsten Werte wurden nach Behördenangaben in den Rajons Obolon und Swjatoschyn gemessen.
Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Fenster geschlossen zu halten und Aufenthalte im Freien zu begrenzen.




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