Angriff in der Nacht auf Donnerstag

Bei einem massiven russischen Angriff auf Kiew sind nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens 15 Menschen getötet worden. Zuvor waren im Verlauf der Nacht mehrfach steigende Opferzahlen gemeldet worden. Betroffen waren unter anderem die Stadtteile Solomjanskyj, Swjatoschynskyj und Darnyzkyj.

Im Solomjanskyj-Bezirk wurden zunächst ein fünfstöckiges Wohnhaus und Räumlichkeiten eines Kinderspitals als beschädigt gemeldet. Später hiess es, in einem neunstöckigen Gebäude seien die oberen Stockwerke zerstört worden; zudem seien weitere Wohnhäuser, ein medizinisches Gebäude, Autos, Garagen und ein Laden beschädigt worden. In zwei Häusern und in einem Schutzraum einer Schule waren Menschen blockiert.

Im Swjatoschynskyj-Bezirk traf der Angriff nach Behördenangaben ein Industrieobjekt; Lagerhallen gerieten in Brand. Im Darnyzkyj-Bezirk wurde ein Nichtwohnobjekt getroffen, dort brannten ebenfalls Lager und Fahrzeuge.

Luftabwehr und Schäden im Umland

Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, in der Nacht 39 von 44 Marschflugkörpern sowie 145 von 168 Angriffsdrohnen abgefangen zu haben. Zwei Flugkörper des Typs «Banderol» seien ebenfalls abgeschossen worden. Einschläge wurden an 28 Orten registriert, an zwei weiteren Orten fielen Trümmerteile nieder.

Wie viele ballistische Raketen eingesetzt wurden, teilten die Luftstreitkräfte nicht mit. Aus ihrer Mitteilung geht jedoch hervor, dass erneut keine ballistischen Raketen abgefangen wurden.

Auch im Umland von Kiew kam es zu schweren Schäden. In Boryspil wurde nach Angaben von Ministerpräsident Korezkyj ein Schlag gegen Lebensmittellager und Objekte des Roten Kreuzes gemeldet. Die Feuerwehr löschte dort weiterhin Brände. Der Zivilschutz DSNS berichtete zudem über anhaltende Feuer auf zwei Objekten der Treibstoffinfrastruktur im Bezirk Browary sowie auf zwei Lagerstandorten im Bezirk Boryspil.

Stromausfälle und weitere Folgen

Der Energieversorger DTEK teilte mit, in Kiew seien nach dem nächtlichen Angriff 90'000 Anschlüsse ohne Strom geblieben. Mehr als der Hälfte der betroffenen Kundinnen und Kunden sei die Versorgung inzwischen wiederhergestellt worden.

Zusätzlich wurde Kiew am Nachmittag erneut mit Drohnen angegriffen. Nach Angaben von Klitschko brach durch herabfallende Trümmer auf einem Areal mit Nichtwohnbebauung ein Brand aus.

Nach Unternehmensangaben gerieten in Kiew auch Lager der Supermarktkette Fora in Brand. Der Schaden werde auf 100 Millionen Hrywnja geschätzt, das sind rund 2,1 Millionen Franken.

Klitschko erklärte zudem, in Kiew seien seit Beginn des russischen Angriffskriegs rund 4'000 von 12'000 Wohnhäusern beschädigt worden.

Russische Darstellung der Angriffsziele

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel des Angriffs seien Unternehmen der Rüstungsindustrie, ein Transport- und Logistikzentrum sowie Lager in Kiew und im Gebiet Kiew gewesen. Genannt wurden unter anderem Produktions- und Lagerstandorte im Zusammenhang mit Drohnen sowie ein Treibstofflager in Browary.

Gleichzeitig wurden in Kiew Wohnhäuser beschädigt und zahlreiche zivile Opfer gemeldet. Unter Boryspil, unweit von Browary, entstand ein grosser Brand.