Schwere Schäden in Kiew und Umgebung

Bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf Kiew sind nach Angaben der Stadtverwaltung und von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens drei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden. Bereits am Morgen war von zwei Toten und sieben Verletzten die Rede, später meldete Klitschko ein drittes Todesopfer.

Schäden und Brände wurden in mehreren Stadtbezirken registriert, darunter Holossijiw, Solomjanka, Podil, Darnyzja, Dnipro und Schewtschenko. In Holossijiw wurde ein 26-stöckiges Nichtwohngebäude beschädigt, in Solomjanka mussten Menschen aus einem fünfstöckigen Wohnhaus evakuiert werden. Im Bezirk Podil brannten laut Behörden ein Lager, Fahrzeuge und Garagenboxen.

Auch im Gebiet Kiew wurden Unternehmen, Lagerhäuser, Wohngebäude und Fahrzeuge beschädigt. Der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, meldete Einschläge unter anderem in den Bezirken Boryspil, Bila Zerkwa, Browary, Fastiw und Obuchiw. In Bila Zerkwa wurden demnach Produktions- und Lagergebäude sowie zwei Mehrfamilienhäuser beschädigt, ein Mann wurde verletzt.

Luftabwehr, Stromausfälle und Verkehrsprobleme

Die ukrainischen Luftstreitkräfte erklärten, in der Nacht zwei ballistische Raketen vom Typ Iskander abgeschossen zu haben. Zudem seien 31 von 32 Marschflugkörpern und 142 von 166 Drohnen abgefangen worden. Gleichzeitig meldeten die Streitkräfte Einschläge an 29 Orten sowie herabfallende Trümmer an neun weiteren Stellen.

Ukrenerho berichtete nach Angriffen auf Energieanlagen über Stromabschaltungen in Kiew und im Gebiet Kiew. In der Hauptstadt kam es zudem zu massiven Verkehrsproblemen: Nach der nächtlichen Attacke versuchten Hunderte Menschen, vom linken auf das rechte Dnipro-Ufer zu gelangen, unter anderem an der Metrostation Lisowa.

Im Verlauf des Tages wurden weitere Angriffe auf Kiew gemeldet. In Solomjanka geriet nach Angaben Klitschkos ein vierstöckiges Bürogebäude nach dem Absturz von Drohnentrümmern in Brand, es gab Verletzte. Später meldete er erneute Einschläge bei Lagerhäusern in den Bezirken Schewtschenko, Holossijiw und anderen Teilen der Stadt.

Auch Züge und Medienhaus betroffen

Neben Kiew wurden weitere Ziele in der Ukraine angegriffen. In Odessa wurde in der Nacht unter anderem der Markt «7. Kilometer» getroffen. Nach Angaben der ukrainischen Bahn Ukrsalisnyzja griffen zwei Schahed-Drohnen den Zug Kiew–Sumy an. Fahrgäste und Lokführer konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, Verletzte gab es dort nicht.

Später wurde auch ein Regionalzug auf der Strecke Dnipro–Saporischschja angegriffen. Nach Angaben des Zivilschutzes kam dabei ein Eisenbahner ums Leben, die Passagiere konnten den Zug verlassen.

Am Mittag meldete der Fernsehsender «My-Ukrajina» einen Angriff auf sein Büro in Kiew. Demnach traf der Hauptschlag die Nachrichtenredaktion und Arbeitsräume. Das Unternehmen sprach von Verletzten; später war von mindestens fünf Betroffenen die Rede.

Moskau spricht von militärischen Zielen

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in Kiew und im Umland seien in der Nacht Objekte der Rüstungsindustrie und Transportlogistik angegriffen worden. Genannt wurden unter anderem Betriebe, die nach russischer Darstellung mit der Produktion, Montage oder Lagerung von Drohnen, Raketenkomponenten und Munition verbunden seien, ausserdem ein Flugplatz, ein Treibstofflager und ein Zentrum der Funkaufklärung des SBU.

Ukrainische Stellen hoben dagegen die Schäden an Wohnhäusern, Lagern, ziviler Infrastruktur und Energieobjekten hervor. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von erheblichen Schäden an Wohngebäuden und anderer ziviler Infrastruktur in Kiew.

Der SBU ist der ukrainische Inlandsgeheimdienst. Er ist unter anderem für Spionageabwehr, Staatsschutz und Ermittlungen in Sicherheitsfragen zuständig.