Schwerer Angriff auf Kiew mit vielen Raketen und Drohnen
Kiew ist in der Nacht auf Donnerstag nach ukrainischen Angaben so massiv angegriffen worden wie noch nie seit Beginn des gross angelegten Kriegs. Insgesamt seien fast 500 Angriffsdrohnen und 77 Raketen gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt worden, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit.
Besonders schwer traf es die Hauptstadt. Nach Angaben der Kiewer Militärverwaltung stieg die Zahl der Toten dort bis Donnerstagabend auf 25. Acht Bewohner eines zerstörten Hauses im Stadtteil Darnyzja galten demnach weiter als vermisst. Zuvor war von mehr als 80 Verletzten die Rede.
Betroffen waren Wohnhäuser, Lagerzonen und weitere zivile Objekte. Beschädigt wurden auch ein historisches Gebäude am Taras-Schewtschenko-Boulevard, die zentrale sunnitische Moschee der Stadt mit angeschlossenem islamischem Lyzeum sowie der Kiewer Zoo.
Ballistische Raketen als grösstes Problem
Die ukrainische Luftwaffe und das Verteidigungsministerium stellten den Mangel an Patriot-Systemen und vor allem an passenden Abfangraketen ins Zentrum. Luftwaffensprecher Jurij Ihnat sagte, die Abwehr ballistischer Raketen sei derzeit die grösste Schwachstelle.
Was die Ballistik betrifft, ist klar, dass dies heute unsere Schwachstelle ist. Im Moment funktioniert entweder passiver Schutz durch Schutzräume und Befestigungen oder aktiver Schutz durch Patriot-Systeme und vor allem durch Raketen dafür. Raketen sind genau das, was wir dringend brauchen.
Jurij Ihnat · Sprecher der ukrainischen Luftwaffe
Nach seinen Angaben wurden auf Kiew in der Nacht 28 ballistische Raketen abgefeuert, von denen nur vier abgefangen werden konnten. Das Verteidigungsministerium erklärte zudem, 25 der landesweit eingesetzten Raketen seien ballistische oder hyperschallschnelle Waffen gewesen. Gerade diese seien äusserst schwer zu stoppen.
Patriot ist ein westliches Flugabwehrsystem, das auch gegen ballistische Raketen eingesetzt werden kann. Entscheidend sind dabei nicht nur die Startgeräte, sondern auch genügend verfügbare Abfangraketen.
Kiew fordert rasche Entscheidungen der Partner
Das Verteidigungsministerium rief die Partnerstaaten auf, der Ukraine rasch zusätzliche Patriot-Raketen aus vorhandenen Beständen zu überlassen. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow habe fast 40 Partnerländer angeschrieben und um eine Übergabe noch in diesem Monat gebeten, im Austausch gegen spätere Lieferungen, die bereits für die Ukraine vorgesehen seien.
Die Ukraine braucht dringend zusätzliche Raketen für Patriot-Systeme. Sie liegen in den Lagern der Partner. Vom raschen Entscheid, vom Ausbau des Mechanismus PURL und vom Kauf von Raketen über JUMPSTART hängt der Schutz des ukrainischen Himmels ab.
Ukrainisches Verteidigungsministerium
Aus Kiew hiess es weiter, die Partner sollten auch ihre Beiträge zu den Mechanismen PURL und JUMPSTART erhöhen, die aus ukrainischer Sicht besonders schnelle Wege für die Beschaffung dieser Raketen seien.
PURL und JUMPSTART sind von der ukrainischen Seite genannte Beschaffungsmechanismen, über die Raketen für Patriot-Systeme schneller organisiert werden sollen.
Auch politische Signalwirkung
Russland erklärte, Ziel der Angriffe seien Unternehmen des ukrainischen Rüstungssektors sowie Einrichtungen des Energiekomplexes gewesen. Kiew bestätigte Treffer auf Rüstungsbetriebe nicht, meldete jedoch Schäden an der Energieversorgung. In Kiew und vier weiteren Regionen kam es zu Stromabschaltungen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte eine Antwort auf den Angriff in Aussicht.
Wir sind für einen gerechten Frieden, für ein gerechtes Ende des Krieges, und solange es das nicht gibt, für gerechte Antworten.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Der Angriff war bereits der fünfte auf Kiew in kurzer Folge. Damit wächst die Sorge, dass Russland die ukrainische Luftabwehr gezielt überlasten und in Zukunft stärker lebenswichtige Versorgungssysteme der Hauptstadt unter Druck setzen könnte.




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