Hohe Opferzahl nach Explosionen westlich von Kiew
Nach dem russischen Angriff auf ein Gelände im Dorf Myla im Butscha-Bezirk westlich von Kiew sind nach Angaben des Leiters der Kiewer Gebietsverwaltung 27 Menschen ums Leben gekommen. 42 weitere Menschen wurden demnach verletzt, darunter vier Kinder. Die Behörden betonten, dass die Zahl der Todesopfer noch nicht definitiv sei.
Aus dem Gebiet des Notfalls wurden nach Behördenangaben 381 Menschen evakuiert, darunter 59 Kinder. Rettungskräfte suchten am Samstag weiter nach Verschütteten, löschten Brände und untersuchten beschädigte Gebäude.
Bereits am Vorabend hatte die Kiewer Gebietsverwaltung von brennenden Lagergebäuden im Butscha-Bezirk berichtet. Das Feuer sei von wiederholten Explosionen begleitet worden. Der Verkehr auf einem Abschnitt der Fernstrasse M-06 Kiew–Tschop wurde zwischen dem 15. und 32. Kilometer vollständig gesperrt.
Ermittlungen zu Lagerung explosiver Stoffe
Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Ermittlungen zu den Umständen der Explosionen und der anschliessenden Detonation ein. Nach vorläufigen Angaben ereignete sich der Einschlag oder Absturz einer Drohne am 28. August gegen 20.10 Uhr auf dem Gelände eines Unternehmens in Myla. Dort brach ein Grossbrand aus, danach kam es zu Detonationen.
Zerstört wurde nach Angaben der Ermittler ein privates Wohnhaus, sieben weitere Häuser wurden beschädigt. Betroffen waren zudem ein Feuerwehrfahrzeug und ein Altersheim.
Die Ermittlungen werden nicht nur alle Umstände des russischen Angriffs klären, sondern auch die Ursachen und Bedingungen, die seine Folgen wesentlich verstärkt haben könnten. Insbesondere wird geprüft, ob die Platzierung und Lagerung explosiver Gegenstände und Materialien auf dem Gelände des Unternehmens rechtmässig war, ob die nötigen Bewilligungen und Abstimmungen vorlagen und wie die zuständigen Amtsträger gehandelt haben.
Büro des Generalstaatsanwalts
Ministerpräsident Korezkyj deutete an, dass sich an dem Ort mutmasslich ein militärisches Lager befunden haben könnte. Er sprach von möglicher fahrlässiger Verantwortung und forderte eine rasche Reaktion der Strafverfolgungsbehörden.
Weitere Angriffe in und um Kiew
Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten für die Nacht auf Samstag den Einsatz von einer Iskander-Rakete und einer Oniks-Rakete von der Krim aus sowie zahlreichen Drohnen. Demnach wurden 233 von 267 Drohnen abgeschossen; 34 hätten ihre Ziele erreicht. Zudem berichteten Behörden über Einschläge im Swjatoschynskyj-Bezirk der Hauptstadt.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte seinerseits, in Kiew und im Umland mehrere Lager- und Logistikobjekte getroffen zu haben, darunter Standorte in Tschajky, Kalyniwka und Myla. Nach russischer Darstellung seien dort Komponenten für Raketen und Drohnen gelagert worden.
Unicef teilte zudem mit, bei einem Angriff am 27. August sei in Tschubynske bei Kiew ein Lager mit humanitärer Hilfe für vom Krieg betroffene Kinder und Familien zerstört worden. Es sei bereits das zweite zerstörte Unicef-Lager in der Region Kiew innerhalb von zwei Monaten.




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