Was OCCRP und Partner recherchiert haben

Eine internationale Recherche von OCCRP und Partnermedien beschreibt schwere Vorwürfe gegen die Agentur World Center of Baby, die Leihmutterschaftsprogramme unter anderem in der Ukraine, in Georgien, Albanien, auf Zypern und in Mexiko anbot. Ehemalige Kunden werfen dem Unternehmen vor, hohe Summen kassiert und anschliessend Leistungen nicht erbracht zu haben. Betroffen seien sowohl künftige Eltern als auch Frauen, die Kinder bereits austrugen oder geboren hatten.

Einige Programme kosteten laut der Recherche mehr als 100'000 Dollar. Das Unternehmen übernahm demnach die Suche nach Leihmüttern, medizinische Begleitung, juristische Abwicklung und Zahlungen an die Frauen.

Im Februar 2026 wurde Kunden mitgeteilt, die US-Firma World Center Group Corp., über die Verträge abgewickelt wurden, wolle Konkurs anmelden. Die Reporter fanden in US-Bundesgerichten jedoch keinen entsprechenden Antrag. Zugleich seien Telefonnummern der Agentur nicht mehr erreichbar gewesen, während Kunden keine Klarheit über ihre Gelder und laufenden Programme erhalten hätten.

Todesfall in Albanien und ausstehende Zahlungen

Besonders schwer wiegt ein Fall aus Albanien. Eine junge Ukrainerin, die in der Recherche unter dem Namen Jana bezeichnet wird, trug ein Kind für einen Mann aus Grossbritannien aus und sollte in Tirana gebären. Im April 2026 wurde sie laut den Recherchen im achten Schwangerschaftsmonat tot in einer Wohnung gefunden; auch das Kind starb.

Zuvor waren nach Angaben der Recherche monatliche Zahlungen an die Frau ausgeblieben, und der Kontakt zur medizinischen Koordinatorin der Agentur sei fast abgebrochen. Wenige Stunden vor ihrem Tod habe sie ihrem Freund über starke Kopfschmerzen geklagt. Im Totenschein sei von einem plötzlichen Tod die Rede.

Sie wollte einfach in ihr Land zurückkehren, wo Menschen waren, die sie liebten.

Weitere Kunden berichten von Verlusten und Verfahren

Eine brasilianische Familie erklärte, eine ukrainische Leihmutter habe ihre Zwillinge geboren, doch Geld, das für die Schlusszahlung an die Frau bestimmt gewesen sei, sei bei ihr nicht angekommen. Kurz vor der Geburt überwies das Paar nach eigenen Angaben weitere 14'500 Euro an die Agentur. Danach habe es bei Verwandten 5'000 Dollar leihen und die offenen Zahlungen selbst übernehmen müssen. Wegen Problemen mit Dokumenten sei die Familie länger als einen Monat in der Ukraine geblieben.

Ein Paar aus Grossbritannien zahlte nach eigenen Angaben 87'415 Dollar für ein Programm, das die Geburt von zwei Kindern vorsah. Die zugesagten Leistungen habe es jedoch nicht erhalten. Auf eine Rückforderung sei dem Paar mitgeteilt worden, auf dem Firmenkonto lägen nur noch 450 Euro. Dazu laufen laut Recherche inzwischen Gerichtsverfahren.

Ein weiteres Paar aus den USA erklärte, es habe 2024 mehr als 100'000 Dollar bezahlt und nach monatelangen Verzögerungen sein Geld zurückverlangt. Zunächst seien 22'000 Dollar angeboten worden, später 90'000 Dollar unter der Bedingung einer Vertraulichkeitsvereinbarung und der Löschung negativer Bewertungen. Das Paar lehnte demnach ab und versucht nun, das Geld vor Gericht in Mexiko zurückzuerhalten.

Wer hinter der Firma stand

Als Gründer, Eigentümer und Managing Director von World Center of Baby erschien in verschiedenen Jahren der ukrainische Geschäftsmann Wladyslaw Natochij auf der Website der Firma. Er war auch Eigentümer der inzwischen geschlossenen Alice Clinic in Kiew und ist weiterhin Inhaber einer gleichnamigen Klinik in Tiflis.

Schulden und unerfüllte Verpflichtungen beweisen für sich genommen weder Betrug noch kriminelle Absicht. Ich erkenne an, dass Kunden, Leihmütter, Mitarbeitende und Partner in dieser Zeit mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert waren, und bedaure das zutiefst.

Wladyslaw Natochij · Stellungnahme gegenüber den recherchierenden Journalisten

Natochij sprach von einer schweren finanziellen und operativen Krise. Zugleich ergaben die Recherchen, dass er in den Unterlagen der US-Firma World Center Group Corp. nicht aufgeführt war. Der offiziell eingetragene Präsident Jurij Star sagte demnach, er habe die Firma nur bei der Registrierung und bei Bankkonten unterstützt und danach den Zugang an Natochij übergeben.

Die in Dokumenten genannte Direktorin Malwina Jonas konnten die Journalisten nach eigenen Angaben nicht finden. Fünf frühere Mitarbeitende sagten, sie hätten nie mit ihr gesprochen oder sie gesehen. In Georgien war laut Recherche Surab Schwelidse als Kontaktperson aufgeführt; er erklärte jedoch, nichts von der Verwendung seines Namens und seiner Kontaktdaten gewusst zu haben.

Offene Fragen zu Embryonen und genetischem Material

Nach dem Zusammenbruch der Firma entstand laut OCCRP eine weitere zentrale Frage: Was geschah mit Embryonen und anderem genetischen Material ehemaliger Kunden?

Einige Betroffene wurden demnach von einer anderen Firma, Blue Oak Fertility, kontaktiert. Diese teilte ihnen mit, ihre Biomaterialien seien sicher, und bot an, das Leihmutterschaftsprogramm gegen eine weitere Zahlung von mehr als 40'000 Euro fortzusetzen.

Die Recherche fand Überschneidungen zwischen beiden Strukturen. So wurde die Domain von Blue Oak Fertility von Jurij Star registriert, der als Präsident der US-Gesellschaft von World Center of Baby geführt wurde. Auch der frühere operative Direktor Daniel Epstein verschickte demnach Angebote der neuen Firma an frühere Kunden.

Eine ehemalige Kundin berichtete, ihre Familie habe vor Jahren die Vernichtung übrig gebliebener Embryonen nach der Geburt ihrer Tochter schriftlich veranlasst. Später habe sie von Blue Oak Fertility überraschend ein Angebot erhalten, eben diese Embryonen für ein neues Programm zu verwenden.

Wir sind schockiert, verwirrt und erschüttert, weil wir nicht wissen, ob die Embryonen tatsächlich vernichtet oder an eine andere Firma weitergegeben wurden.

Die frühere Leiterin der Kiewer Alice Clinic, Iryna Myronowa, sagte, sie bezahle derzeit aus eigener Tasche die Lagerung eines Teils des verbliebenen genetischen Materials ehemaliger Kunden. Wie lange das möglich sei, wisse sie nicht.

Ich weiss nicht, wann dort einfach die Schlösser ausgewechselt werden könnten – und dann wäre alles verloren.

Iryna Myronowa · frühere Leiterin der Alice Clinic in Kiew