Vorbereitungen beginnen oft Tage vor dem Angriff
Massierte russische Angriffe auf die Ukraine erfordern nach einem Bericht von Le Monde eine aufwendige militärische Logistik. Ukrainische und US-Geheimdienste beobachten demnach vorbereitende Schritte so genau, dass Umfang und Zeitpunkt eines Angriffs teils etwa eine Woche im Voraus erkennbar werden.
Zu den ersten Anzeichen zählen laut dem Bericht häufig Aktivitäten der strategischen Luftwaffe. Dabei geht es um die Verlegung von Marschflugkörpern, das Bewaffnen von Flugzeugen und deren Verlegung von ständigen Basen auf mehrere einsatzfähige Start- und Landebahnen.
Sie müssen Marschflugkörper anliefern, die Flugzeuge bewaffnen und sie von ihren ständigen Basen auf fünf oder sechs aktive Start- und Landebahnen verlegen. Diese Operationen dauern naturgemäss Stunden, wenn nicht Tage.
Jurij Ihnat · Sprecher der Luftwaffe der ukrainischen Streitkräfte
Auch Marine und Bodentruppen liefern Hinweise
Nach Angaben eines von Le Monde befragten Luftabwehrsoldaten namens Ruslan wusste die Ukraine bereits sechs Tage vor dem Angriff vom 24. Mai, dass ein grösserer Schlag bevorstand. Je näher das Datum rückte, desto klarer sei das Lagebild geworden.
Das Bild wurde mit der Annäherung des Datums und mit der Verlegung von Schiffen, U-Booten und Flugzeugen klarer. Drei Stunden davor hatten wir eine genaue Vorstellung von der Zahl und den Typen der Geschosse.
Ruslan · ukrainischer Luftabwehrsoldat
Dem Bericht zufolge stützt sich die Einschätzung nicht nur auf technische Aufklärung über Flugzeuge, Schiffe und U-Boote. Auch die Dislokation und Einsatzbereitschaft von Drohnenoperateuren, Raketentruppen, Artillerie und Bodentruppen lasse Rückschlüsse auf einen bevorstehenden Angriff und dessen Ausmass zu.
Was der Bericht über den Angriff vom 24. Mai nahelegt
Die Darstellung deutet darauf hin, dass grosse russische Angriffswellen militärisch kaum spontan ausgelöst werden können. Je grösser die Zahl eingesetzter Systeme und Einheiten ist, desto mehr Vorbereitungen fallen an, die von der Gegenseite beobachtet werden können.
Für die Ukraine bedeutet das vor allem einen Zeitgewinn für Luftabwehr, Alarmierung und Schutzmassnahmen. Zugleich zeigt der Bericht, dass selbst bei früh erkannten Vorbereitungen die Zahl und Mischung der eingesetzten Waffen bis kurz vor dem Angriff weiter präzisiert werden muss.




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