Neue russische Drohnen mit Strahltriebwerken, die schwerer abzuschiessen sind als herkömmliche Modelle, sorgen in der Ukraine für wachsende Besorgnis. Darüber berichtet die New York Times.

Unbemannte Flugkörper mit Strahltriebwerken sind deutlich schneller als Propellerdrohnen. Ukrainische Fachleute gehen davon aus, dass die hohen Erfolgsquoten der ukrainischen Streitkräfte beim Abfangen früherer Drohnenversionen Russland zum Wechsel auf eine Jet-Variante veranlasst haben. Offiziell war bei älteren Modellen von Abfangraten von 90 Prozent und mehr die Rede. Analysten erwarten, dass der Einsatz von Jet-Drohnen eine neue gefährliche Phase des Kriegs einleiten könnte.

Der Berater des Präsidenten, Serhij Beskrestnow, sagte der New York Times, im Juli seien 1'500 russische Jet-Drohnenangriffe auf die Ukraine registriert worden, im August bereits 3'000.

Schneller, höher, schwerer

Drohnen mit Strahltriebwerken seien im Kern günstige Marschflugkörper, erklärt der in Wien tätige Militäranalyst Franz-Stefan Gady. Dank der Triebwerke könnten diese Drohnen schwerere Sprengstoffe transportieren sowie weiter, höher und wesentlich schneller fliegen als Modelle mit Propellern. Ihre Geschwindigkeit könne etwa dreimal so hoch sein wie bei älteren Varianten.

Die ukrainische Luftabwehr mit ihren mobilen Gruppen, die mit Maschinengewehren und Kurzstrecken-Abfangraketen ausgerüstet sind, habe sich gegen Jet-Drohnen als nicht besonders wirksam erwiesen.

Ukrainische Behörden nannten keine genauen Abfangquoten für Drohnen mit Strahltriebwerken, räumten jedoch ein, dass diese niedriger seien als bei älteren Typen, die Russland ebenfalls weiter einsetzt.

Produktion und Gegenmittel

Nach Einschätzung von Fachleuten ist die Herstellung von Strahltriebwerken deutlich teurer als jene von Kolbenmotoren, zudem ist die Versorgung mit Bauteilen stärker eingeschränkt. Das könnte sich auf die Produktionsmengen in Russland auswirken.

Drohnen mit Strahltriebwerken sind ein ernstes, heranwachsendes Problem, das sich im Winter verschärfen wird, wenn Russland die Produktion weiter erhöht. Aber es gibt Möglichkeiten, ihnen entgegenzuwirken.

Dara Massicot · Carnegie-Stiftung

Ukrainische Behörden erklären, dass bereits vier Unternehmen Abfangsysteme gegen Jet-Drohnen entwickelt haben. Diese Lösungen befinden sich jedoch noch in der Testphase.

Westliche Medien berichteten kürzlich zudem, dass es dem Kreml gelungen sei, Sanktionen zu umgehen und Ausrüstung für den 3D-Druck von Turbinen für Drohnentriebwerke zu beschaffen. Das habe die Produktion deutlich verbilligt und beschleunigt.