Was entfernt wurde
An einer Stadteinfahrt nach Kiew von der Obuchiw-Trasse her ist von der Stele «Kiew – Heldenstadt» der sowjetische Heldenstern entfernt worden. Dabei handelt es sich nicht um den zentralen Obelisken an der Halyzka-Platz, sondern um ein separates Monument am Zugang zur Hauptstadt.
Ukrainische Medien berichten, entfernt worden sei die sowjetische Auszeichnungsstern-Grafik, also faktisch die Darstellung der Medaille «Goldener Stern», die mit dem sowjetischen Titel «Heldenstadt» verbunden war.
Teil einer längeren Entwicklung
Die Massnahme steht in einer Reihe ähnlicher Veränderungen in Kiew. Bereits 2023 wurde am Obelisken auf dem Halyzka-Platz, dem früheren Siegesplatz, ein entsprechender Stern demontiert. Im Dezember 2024 entfernte auch das Kriegsmuseum auf der Allee der Heldenstädte Inschriften mit den Namen sowjetischer «Heldenstädte» sowie die Darstellung des «Goldenen Sterns».
Damit setzt Kiew den bereits seit Jahren laufenden Abbau sowjetischer Symbolik im öffentlichen Raum fort.
Historische und rechtliche Einordnung
Der Titel «Heldenstadt» gehörte zur sowjetischen Erinnerungspolitik des Zweiten Weltkriegs. Nach den damaligen Regeln sollte in den ausgezeichneten Städten ein Obelisk mit dem Lenin-Orden, der Medaille «Goldener Stern» und einer entsprechenden Inschrift aufgestellt werden. Kiew war seit 1961 mit diesem Status verbunden und erhielt 1965 im Rahmen des sowjetischen Systems der «Heldenstädte» den «Goldenen Stern».
Die rechtliche Grundlage für solche Schritte bilden in der Ukraine seit 2015 die Gesetze zur Verurteilung kommunistischer und nationalsozialistischer totalitärer Regime sowie zum Verbot ihrer Symbolik. Formal ist die Entfernung des Sterns damit eine Fortsetzung der ukrainischen Dekommunisierung.
Erinnerungspolitisch bleibt der Schritt sensibel
Symbolisch ist die Frage allerdings komplexer. Die Formel «Kiew – Heldenstadt» verweist nicht nur auf sowjetische Ideologie, sondern auch auf die Erinnerung an die Katastrophe von 1941, die Verteidigung Kiews, die deutsche Besatzung, Babyn Jar und den Tod Hunderttausender Menschen.
Mit der Entfernung sowjetischer Zeichen verschiebt sich deshalb nicht nur die Gestaltung des Stadtbilds. Sie ist auch Teil eines breiteren Konflikts darum, ob die Erinnerung an den Krieg vor allem im sowjetischen Deutungsrahmen, in dessen russischer Fortschreibung oder in einer eigenständigen ukrainischen nationalen Erinnerung verankert wird.




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