Im vergangenen Jahr kam es in Polen zu einer Reihe von Angriffen und Konflikten, bei denen die ukrainische Herkunft der Betroffenen nicht bloss ein nebensächliches Detail war. Sie tauchte ausdrücklich in Beschimpfungen, Drohungen oder in der rechtlichen Bewertung durch Polizei und Staatsanwaltschaft auf.
Jeden einzelnen Fall könnte man für sich genommen mit einem Alltagsstreit, Alkohol oder dem Verhalten einzelner Täter erklären.
Inzwischen gibt es jedoch auch eine statistische Entwicklung.
Nach Angaben der polnischen Hauptkommandantur der Polizei meldeten ukrainische Staatsangehörige im ersten Halbjahr 2026 180 mutmassliche Hassdelikte. Das sind mehr als 30 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Zum Vergleich:
- im gesamten Jahr 2024: 267 Meldungen;
- im gesamten Jahr 2025: 275;
- allein in den ersten sechs Monaten 2026: bereits 180.
Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte die Zahl bis Ende Jahr bei rund 360 liegen.
Wichtig ist die Unterscheidung: Es handelt sich um registrierte Anzeigen beziehungsweise Meldungen und nicht um 180 bereits gerichtlich nachgewiesene Hassdelikte.
Die Zunahme ist dennoch deutlich genug, um sie nicht allein mit der höheren Sichtbarkeit einzelner Fälle in sozialen Medien zu erklären.
Quelle: Rzeczpospolita
Gleichzeitig ist die Gesamtzahl der Straftaten gegen Ukrainerinnen und Ukrainer nicht gestiegen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 5130 ukrainische Staatsangehörige als Opfer verschiedener Straftaten registriert – sogar etwas weniger als ein Jahr zuvor.
Verändert hat sich etwas anderes: Der Anteil der Fälle mit einem vermuteten nationalistisch oder ethnisch motivierten Hintergrund stieg von 2,3 auf 3,5 Prozent aller Straftaten gegen ukrainische Staatsangehörige.
Es geht also nicht um einen allgemeinen Anstieg der Kriminalität gegen Ukrainer. Auffällig zunimmt vielmehr jener Teil der Gewalt und Bedrohungen, bei dem die Nationalität selbst eine Rolle spielt.
Quelle: Rzeczpospolita
1. Warschau: Ukrainer vor einem Geschäft angegriffen
Herbst 2025, Stadtteil Białołęka
Eine Gruppe von Männern begann vor einem Geschäft, junge Ukrainer wegen ihrer Nationalität zu beschimpfen. Anschliessend griffen drei von ihnen die Betroffenen körperlich an.
Einer der Verletzten benötigte medizinische Hilfe.
Drei Verdächtige wurden festgenommen. Zwei von ihnen wurden unter anderem beschuldigt, die Ukrainer aufgrund ihrer Nationalität beleidigt zu haben. Einer soll zudem einen Zeugen bedroht haben.
Der Fall gehört zu den eindeutigeren Beispielen, weil der nationale Hintergrund ausdrücklich in den Ermittlungen der Polizei erwähnt wird.
Quelle: Polizei Warschau
2. Warschau: Polin geschlagen, weil sie eine Ukrainerin verteidigte
September 2025
In einem Bus der Linie 190 hörte ein Mann ukrainische Sprache und begann, eine ältere ukrainische Passagierin zu beschimpfen. Er forderte sie auf, Polen zu verlassen, und verwies unter anderem auf Wolhynien und «Banderisten».
Die polnische Aktivistin Zenobia Żaczek stellte sich schützend vor die Frau.
Daraufhin wurde sie selbst geschlagen.
Später wurde dem Mann sowohl Körperverletzung als auch die öffentliche Beleidigung einer Gruppe von Menschen ukrainischer Nationalität vorgeworfen.
Quellen: Onet, Onet – Bericht über den Vorfall
3. Radom: Ukrainer nach Angriff auf Intensivstation
19. Dezember 2025
Ein 41-jähriger ukrainischer Staatsangehöriger wurde in der Nähe seines Wohnorts von mehreren Männern angegriffen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fielen während der Attacke Äusserungen, die darauf hindeuteten, dass die ukrainische Nationalität des Opfers Teil des Tatmotivs war.
Der Mann wurde in kritischem Zustand auf eine Intensivstation gebracht. Seine Verletzungen waren lebensbedrohlich.
Ein 19-jähriger Verdächtiger wurde unter anderem wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung aus Gründen der nationalen Zugehörigkeit angeklagt. Er gestand seine Beteiligung und wurde in Untersuchungshaft genommen.
Quelle: Bezirksstaatsanwaltschaft Radom
4. Przasnysz: Angriff auf Ukrainer mit einer Machete
19. Februar 2026
Zwei Männer kamen zu einem Haus, in dem ukrainische Staatsangehörige lebten.
Einer der Angreifer attackierte einen Ukrainer mit einer Machete. Als ein zweiter Mann seinem Landsmann zu Hilfe kam, wurde auch er verletzt.
Beide erlitten Schnittverletzungen an Händen und Fingern.
Die Staatsanwaltschaft bezeichnet den Fall ausdrücklich als Gewalttat gegen ukrainische Staatsangehörige «aufgrund ihrer nationalen Zugehörigkeit».
Einem der Verdächtigen wurden entsprechende Straftaten zur Last gelegt.
Quelle: Bezirksstaatsanwaltschaft Ostrołęka
5. Radom: Zum Singen eines polnischen Liedes gezwungen und danach geschlagen
8. Mai 2026
Mehrere Männer baten einen jungen Ukrainer um eine Zigarette.
Als sie seinen Akzent hörten, verlangten sie von ihm, ein polnisches Lied zu singen.
Als er Fehler im Text machte, wurde er wegen seiner Nationalität beschimpft, gestossen, geschlagen und getreten. Anschliessend verlangten die Männer seine Jacke und sein Mobiltelefon.
Der Angriff endete erst, als Passanten auftauchten.
Mehrere Verdächtige wurden festgenommen. Zu den Vorwürfen gehören auch Beleidigung und Verletzung der körperlichen Integrität aufgrund der Nationalität.
Quelle: RMF24
6. Bielsko-Biała: Erwachsener Mann greift ukrainische Kinder im Bus an
11. Juli 2026
Ein 54-jähriger Mann begann in einem Bus, zwei elfjährige ukrainische Mädchen zu beschimpfen.
Er forderte sie auf, in die Ukraine zurückzukehren, verwendete nationalistische Beschimpfungen und bedrohte sie. Auch eine erwachsene Ukrainerin, die sich im Bus befand, wurde in den Vorfall hineingezogen.
Nachdem in sozialen Medien behauptet worden war, die Mädchen hätten den Mann provoziert, werteten die Ermittler Videoaufnahmen aus und befragten die Kinder.
Die Staatsanwaltschaft erklärte ausdrücklich, dass sich die behauptete Provokation nicht bestätigt habe.
Dem Mann wurden die Beleidigung dreier ukrainischer Staatsangehöriger aufgrund ihrer Nationalität sowie ein körperlicher Übergriff auf eine von ihnen vorgeworfen. Er bekannte sich schuldig.
Quellen: TVN24, Polsat News
7. Łódź: Pole geschlagen, weil man ihn für einen Ukrainer hielt
11. Juli 2026
Dieser Fall ist besonders aufschlussreich.
Das Opfer war gar kein Ukrainer.
Ein 39-jähriger Einwohner von Łódź telefonierte vor seinem Wohnhaus. Ein Unbekannter hielt ihn offenbar für einen Ukrainer, rief ihm sinngemäss «Verschwinde von hier, Ukrainer» zu und schlug ihm zweimal heftig ins Gesicht.
Der Mann erlitt Frakturen an Nase und Kiefer.
Dem Verdächtigen wurden unter anderem Straftaten mit fremdenfeindlichem beziehungsweise nationalitätsbezogenem Hintergrund vorgeworfen.
Damit richtete sich die Aggression hier nicht einmal gegen die tatsächliche Nationalität eines Menschen, sondern bereits gegen dessen vermeintliche ukrainische Herkunft.
Quelle: TVN24
8. Owińska: Antiukrainisches Transparent
Juli 2026, bei Poznań
Im Zentrum von Owińska wurde ein grosses antiukrainisches Transparent aufgehängt.
Die Polizei identifizierte zwei mutmassliche Verantwortliche im Alter von 29 und 49 Jahren.
Ihnen wird öffentliche Anstiftung zu Hass aufgrund der Nationalität vorgeworfen.
Quelle: TVN24
9. Poznań: Eine «Bandera-Prüfung»
3. Juli 2026
Mehrere Männer betraten Räume, die eine Frau auf dem Gelände der Wirtschaftsuniversität Poznań für ihr Geschäft gemietet hatte.
Sie filmten die Begegnung. Nach Veröffentlichung der Aufnahmen im Internet wurde die Frau Ziel einer Welle von Beschimpfungen.
Zwei Männer wurden festgenommen und wegen Verleumdung beziehungsweise übler Nachrede beschuldigt.
Parallel untersucht die Staatsanwaltschaft nationalistische Hasskommentare unter den veröffentlichten Videos.
In sozialen Medien wurde der Vorfall als eine Art «Prüfung» der ukrainischen Betroffenen zu ihrer Haltung gegenüber Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch beschrieben.
Die offizielle Darstellung der Staatsanwaltschaft ist enger gefasst: Gegenstand des Verfahrens sind unter anderem Behauptungen, die Frau betreibe Aktivitäten zur angeblichen «Veränderung der ethnischen Struktur».
Quelle: Bezirksstaatsanwaltschaft Poznań
10. Skawina: «An die Front. Putin wartet auf euch»
24. Juli 2026, Baustelle bei Krakau
Auf einem in sozialen Medien verbreiteten Video beschimpft ein Mann mit Bauhelm ukrainische Arbeiter.
Zu hören sind unter anderem «Banderist», «an die Front» und «Putin wartet auf euch».
Anschliessend versucht er, dem Filmenden das Mobiltelefon aus der Hand zu reissen.
Zwei ukrainische Arbeiter erstatteten Anzeige.
Nach Auswertung der Aufnahmen teilte die Polizei mit, dass nicht nur wegen Drohungen, sondern auch wegen einer möglichen Diskriminierung aufgrund der Nationalität ermittelt werde.
Das Unternehmen trennte sich von dem Mitarbeiter. Später wurde der Mann festgenommen und formell beschuldigt.
11. Wrocław: Ukrainisches Paar nach Streit um Warteschlange verprügelt
26. Juli 2026
Die 20-jährige Anastasiia wies einen Mann in einem Geschäft darauf hin, dass er sich an der Warteschlange vorbeidrängen wollte.
Nachdem bekannt geworden war, dass sie Ukrainerin ist, begannen nationalistische Beschimpfungen.
Später wurden Anastasiia und ihr 21-jähriger Verlobter Maksym auf der Strasse von drei Männern angegriffen.
Maksym wurde mit Fäusten geschlagen, zu Boden gebracht und weiter getreten. Anastasiia erhielt mehrere Schläge gegen Gesicht und Kopf.
Zwei Verdächtige wurden festgenommen.
Beiden wird nicht nur Körperverletzung vorgeworfen, sondern ausdrücklich Gewaltanwendung aufgrund der nationalen Zugehörigkeit. Ein Gericht ordnete Untersuchungshaft an.
12. Zgierz: Schüsse auf die Wohnung einer Ukrainerin
Juli 2026
Ein 37-jähriger Mann schoss mit einer Druckluftwaffe auf Fenster und Balkontür einer Wohnung, in der eine ukrainische Staatsangehörige lebte.
Der Sachschaden wurde auf 7000 Złoty geschätzt.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beschimpfte der Mann die Frau zudem wegen ihrer Nationalität und machte abwertende Äusserungen über Ukrainer.
Neben der Sachbeschädigung wird ihm deshalb auch die öffentliche Beleidigung einer Person aufgrund ihrer nationalen Zugehörigkeit vorgeworfen.
Quelle: Bezirksstaatsanwaltschaft Łódź
13. Legnica: Angriff auf zwei 13-jährige Ukrainerinnen
Juli 2026
Zwei 13-jährige Mädchen aus der Ukraine hielten sich in der Nähe eines Schwimmbads auf.
Nach Angaben der Mädchen und ihrer Mutter störte sich eine 26-jährige Frau zunächst daran, dass die Kinder Ukrainisch sprachen. Anschliessend soll sie eines der Mädchen sowie einen jungen Mann geschlagen haben, der eingreifen wollte.
Der Frau werden Gewalttätigkeiten und Übergriffe auf Minderjährige vorgeworfen.
Hier ist jedoch eine wichtige Einschränkung nötig: Anders als etwa in Przasnysz, Radom oder Wrocław ergibt sich der nationale Tatmotivation bislang vor allem aus den Aussagen der Betroffenen und nicht aus einer abschliessenden rechtlichen Qualifikation durch die Staatsanwaltschaft.
Quelle: Onet
14. Częstochowa: Passagierin schlägt ukrainischen Fahrer
Ende Juli 2026
Ein 35-jähriger Ukrainer arbeitete als Fahrer eines Fahrdienstes.
Eine Passagierin verlangte einen zusätzlichen Halt bei einem Geschäft. Als der Fahrer dies ablehnte, schlug sie ihm gegen den Kopf. Auf der Aufnahme sind zudem Beschimpfungen im Zusammenhang mit seiner ukrainischen Herkunft zu hören.
Nach der Veröffentlichung des Videos meldete sich die 48-jährige Frau selbst bei der Polizei.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihr einen Angriff mit diskriminierendem Motiv aufgrund der Nationalität vor.
Quelle: Polsat News
Auch die öffentliche Stimmung hat sich verändert
Die Kriminalstatistik steht nicht für sich allein.
Im Februar 2026 stellte das Meinungsforschungsinstitut CBOS fest:
43 Prozent der Befragten äusserten Antipathie gegenüber Ukrainern, 29 Prozent Sympathie.
Innert eines Jahres nahm der Anteil negativer Einstellungen um weitere fünf Prozentpunkte zu.
CBOS stellt fest, dass sich die Haltung der polnischen Bevölkerung gegenüber Ukrainern nach dem starken Sympathieanstieg von 2022 inzwischen im dritten Jahr in Folge verschlechtert.
Quelle: CBOS
Das bedeutet nicht, dass «43 Prozent der Polen Ukrainer hassen».
Die CBOS-Frage misst allgemeine Sympathie beziehungsweise Antipathie gegenüber verschiedenen Nationalitäten und nicht die Bereitschaft zu Diskriminierung oder Gewalt.
Die Richtung der Entwicklung ist jedoch eindeutig.
Auch die polnische Regierung spricht inzwischen von einem Problem
Nach dem Angriff auf das ukrainische Paar in Wrocław machte Ministerpräsident Donald Tusk das Thema zum Gegenstand einer Regierungssitzung.
Er sagte, «Banditen, Hooligans und gewalttätige Milieus» seien selbstbewusster geworden, weil sie politische Rückendeckung verspürten.
Tusk erklärte zudem, dass nationalistische Vorurteile und Hass wiederholt zum Ausgangspunkt von Angriffen würden und Ukrainer dabei zu den Betroffenen gehörten.
Er forderte Präsident Karol Nawrocki zu einer Reaktion auf und warf Teilen des politischen Lagers vor, eine Atmosphäre zu schaffen, in der solche Aggressionen moralisch legitimiert würden.
Quelle: RMF24
Über Tusks politische Interpretation und die Verantwortung seiner Gegner lässt sich streiten.
Dass die Entwicklung selbst ein Problem darstellt, wird inzwischen jedoch auch von der polnischen Regierung öffentlich anerkannt.
Die Zahl der Ukrainer mit temporärem Schutz sinkt – die Gründe sind aber unklar
Eine weitere Entwicklung fällt im gleichen Zeitraum auf.
Im Juni 2026 sank die Zahl der Personen mit EU-Temporärschutz in Polen um 6335 beziehungsweise 0,7 Prozent.
Unter den 27 EU-Staaten ging die Zahl nur in drei Ländern zurück:
- Polen: −6335;
- Belgien: −35;
- Irland: −15.
In den übrigen 24 EU-Staaten nahm die Zahl zu.
Ende Juni waren in Polen noch 961'170 Personen mit temporärem Schutz registriert.
Quelle: Eurostat
Hier sollte man jedoch Korrelation und Ursache nicht verwechseln.
Eurostat erhebt nicht, weshalb Menschen Polen verlassen. Hinzu kommt, dass nationale Verfahren zur Abmeldung aus dem Schutzregister zu deutlichen monatlichen Schwankungen führen können.
Die Behauptung, Ukrainer würden Polen massenhaft wegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt verlassen, lässt sich deshalb derzeit nicht belegen.
Belegt ist lediglich:
Die Zahl der in Polen registrierten Personen mit temporärem Schutz sinkt in einer Phase, in der gleichzeitig die negative Einstellung gegenüber Ukrainern zunimmt und mehr mutmassliche Hassdelikte registriert werden. Ein kausaler Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen ist bislang nicht nachgewiesen.
Und was ist mit anderen viel diskutierten Fällen?
Nicht jeder Konflikt zwischen Polen und Ukrainern sollte automatisch in dieselbe Kategorie eingeordnet werden.
Kożuchów: Angriff bestätigt, nationales Motiv nicht
Drei Polen gerieten tatsächlich mit drei Ukrainern bei einer Unterkunft in einen Konflikt. Es gab Verletzte.
Nach der ersten Darstellung der Polizei ging der Streit jedoch vor allem auf laute Musik und eine Störung der Nachtruhe zurück.
Den Vorfall als bestätigtes Hassdelikt zu bezeichnen, wäre deshalb nicht korrekt.
Gdynia: Ukrainerin tatsächlich geschlagen – ethnisches Motiv nicht bestätigt
Eine ukrainische Frau wurde von einem älteren Mann zweimal mit einem Holzstock gegen den Kopf geschlagen. Der mutmassliche Täter wurde später identifiziert.
Die Polizei fand jedoch zunächst keine Hinweise darauf, dass die ukrainische Nationalität der Frau der Grund für den Angriff war.
Słupsk: Ursprüngliche Darstellung nur teilweise bestätigt
Für grosse Aufmerksamkeit sorgte der Vorwurf, ein Lehrer habe ukrainische Schüler als «swołocz» beschimpft.
Spätere Überprüfungen bestätigten jedoch Teile der ursprünglichen Darstellung nicht. Auch die Polizei konnte für die anschliessende Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen kein nationales Tatmotiv feststellen.
Der Fall sollte deshalb nicht mit eindeutigeren Fällen wie Przasnysz oder Wrocław gleichgesetzt werden.
Warschauer Jugendliche mit ausgeschlagenen Zähnen
Breit verbreitet wurde die Geschichte eines ukrainischen Mädchens, dem nach Angaben ihrer Mutter zwei Vorderzähne ausgeschlagen worden sein sollen, nachdem Erwachsene ihren ukrainischen Akzent gehört hatten.
Eine unabhängige Bestätigung der geschilderten Umstände durch Polizei oder Staatsanwaltschaft liegt bislang nicht vor.
«Ukrainische Prostituierte» am Flughafen Krakau
Ein Video des Konflikts wurde in sozialen Medien verbreitet.
Ausreichende unabhängige Informationen über eine anschliessende polizeiliche oder staatsanwaltschaftliche Einordnung des Vorfalls sind jedoch bislang nicht verfügbar.
Solche Fälle können sich als authentisch erweisen. Sie sollten aber nicht die Grundlage für die Beurteilung des Gesamttrends bilden, solange die entscheidenden Umstände nicht unabhängig bestätigt sind.
Was bleibt?
Zu behaupten, Polen habe sich innerhalb eines Jahres in ein grundsätzlich feindseliges Land gegenüber Ukrainern verwandelt, wäre eine klare Übertreibung.
Fast eine Million Menschen aus der Ukraine leben dort weiterhin unter dem EU-Temporärschutz. Hinzu kommen Hunderttausende mit anderen Aufenthaltsgrundlagen. Jeden Tag finden Millionen völlig normale Begegnungen zwischen Polen und Ukrainern statt.
Ebenso falsch wäre es inzwischen aber, sämtliche Vorfälle als einige wenige, von Telegram oder TikTok aufgeblasene Konflikte abzutun.
Innerhalb eines Jahres wurden unter anderem dokumentiert:
- Gruppenangriffe auf ukrainische Staatsangehörige;
- eine schwere Körperverletzung mit Lebensgefahr;
- ein Angriff mit einer Machete;
- Übergriffe auf Kinder;
- Gewalt am Arbeitsplatz;
- Angriffe im öffentlichen Verkehr;
- nationalistische Beschimpfungen in Verbindung mit körperlicher Gewalt;
- Schüsse auf die Wohnung einer Ukrainerin;
- öffentliche Anstiftung zu nationalem Hass;
- und sogar ein Fall, bei dem ein Pole angegriffen wurde, weil man ihn irrtümlich für einen Ukrainer hielt.
Ein erheblicher Teil dieser Fälle beruht nicht auf anonymen Posts oder viralen Videos, sondern auf Ermittlungen und Anklagepunkten polnischer Polizei- und Strafverfolgungsbehörden, in denen Nationalität, Fremdenfeindlichkeit oder Diskriminierung ausdrücklich eine Rolle spielen.
Gleichzeitig registriert die Polizei einen Anstieg entsprechender Meldungen um mehr als 30 Prozent. CBOS dokumentiert im dritten Jahr in Folge eine Verschlechterung der Einstellung gegenüber Ukrainern.
Damit handelt es sich nicht mehr nur um den Eindruck, den eine Nachrichten- oder Social-Media-Timeline vermittelt.
Es ist ein messbarer Trend.
Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob er existiert, sondern wie weit er sich noch verstärken wird – und welchen Anteil die zunehmend scharfe antiukrainische Rhetorik in der polnischen Politik daran hat.




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