Zwei Drittel der Polen unterstützen den Vorschlag, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter aus dem Land zu deportieren, wenn sie in Polen keine legale Arbeit haben. Das zeigt eine Umfrage des Instituts IBRiS im Auftrag der Zeitung Rzeczpospolita.
Den Befragten wurde direkt die Frage gestellt, ob Polen ukrainische Männer im wehrfähigen Alter deportieren solle, die im Land keine legale Beschäftigung haben.
67,2 Prozent antworteten mit Ja: 43,8 Prozent mit «bestimmt ja», weitere 23,4 Prozent mit «eher ja». Dagegen sprachen sich 23,4 Prozent aus, weitere 9,4 Prozent konnten sich nicht entscheiden. Die Umfrage wurde am 7. und 8. August 2026 durchgeführt, unmittelbar nachdem die Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ein neues Konzept für die Migrationspolitik vorgestellt hatte.
Unterstützung reicht über die PiS-Wählerschaft hinaus
Die Initiative wurde vom PiS-Vizevorsitzenden und Europaabgeordneten Tobiasz Bochenski vorgestellt. Gemeint sind Männer etwa im Alter von 25 bis 60 Jahren, die in Polen nicht legal arbeiten. PiS verspricht, die Massnahme im Fall einer Rückkehr an die Macht nach den Parlamentswahlen 2027 umzusetzen.
Bochenski begründete den Vorschlag mit den Interessen Polens und der Ukraine. Die deportierten Männer würden, so seine Darstellung, die Möglichkeit erhalten, für ihre Heimat zu kämpfen. Später erklärte auch der PiS-Abgeordnete Andrzej Sliwka, die Ukraine leide unter einem schweren Mangel an Soldaten, und selbst eine vergleichsweise kleine Gruppe zurückgeführter Männer könnte für die ukrainische Armee von Bedeutung sein.
Am stärksten unterstützen den Vorschlag die Wähler der PiS selbst: 89 Prozent von ihnen sprachen sich dafür aus.
Die Umfrage zeigt jedoch, dass diese Position längst nicht mehr auf die rechte Opposition beschränkt ist:
- PiS: 89 Prozent dafür
- Dritter Weg: 71 Prozent
- Konföderation: 58 Prozent
- Regierende Bürgerkoalition von Donald Tusk: 53 Prozent
Die einzige grosse politische Kraft, bei deren Wählern die Gegner einer solchen Massnahme klar überwiegen, ist die Neue Linke: 87 Prozent ihrer Anhänger lehnten den Vorschlag ab.
Damit reicht die Unterstützung für die PiS-Forderung deutlich über ihr eigenes Lager hinaus. Selbst unter den Anhängern der wichtigsten Regierungspartei sprach sich eine Mehrheit dafür aus.
Auch andere Unterschiede fallen auf. Unter Frauen unterstützten 73 Prozent die Deportation, unter Männern 61 Prozent. Unter Befragten mit Hochschulabschluss war die Gesellschaft faktisch gespalten: 43 Prozent dafür, 42 Prozent dagegen.
Wie viele Menschen betroffen sein könnten
Hier liegt jedoch die wichtigste Einschränkung.
Das polnische Innenministerium erklärt, rund 95 Prozent der ukrainischen Männer in der entsprechenden Altersgruppe arbeiteten legal im Land. Die Sprecherin des Ministeriums, Karolina Galecka, bezeichnete den PiS-Vorschlag als populistisch und wies darauf hin, dass Ausländer, die gegen polnisches Recht verstossen, schon jetzt in den gesetzlich vorgesehenen Fällen ausgewiesen werden können.
Gleichzeitig betont auch Rzeczpospolita, dass sich die genaue Zahl der Männer, die unter den PiS-Vorschlag fallen könnten, derzeit nicht bestimmen lässt. In Polen gibt es keine einheitliche Datenbank, in der sich alle im Land lebenden ukrainischen Staatsbürger mit Alter, Aufenthaltsstatus und Beschäftigung abgleichen lassen. Nach den jüngsten Daten der Sozialversicherungsanstalt ZUS zahlten 473'600 ukrainische Männer Sozialbeiträge, doch selbst diese Angaben erfassen nicht alle Formen legaler Beschäftigung.
Die veröffentlichten 67 Prozent sagen deshalb in erster Linie etwas über die Stimmung in der polnischen Gesellschaft aus und nicht über eine bevorstehende Massendeportation.
Bislang wurde keine Entscheidung über eine solche Ausweisung getroffen. Es geht um einen Vorschlag der PiS für den Fall ihrer Rückkehr an die Macht. Das Umfrageergebnis ist dennoch aufschlussreich: Die Idee einer zwangsweisen Rückführung eines Teils der ukrainischen Männer findet nicht nur im rechten Lager Unterstützung, sondern bei einer Mehrheit der befragten Polen insgesamt.




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