Aussagen zu den Verhandlungen von 2022

Die frühere Sprecherin des ukrainischen Präsidenten, Julija Mendel, hat erklärt, ukrainische Vertreter hätten bei den Gesprächen mit Russland in Istanbul im Jahr 2022 weitgehenden Zugeständnissen zugestimmt. In einem Interview mit dem US-Journalisten Tucker Carlson sagte sie, sie habe mit Personen gesprochen, die die Ukraine damals bei den Verhandlungen vertreten hätten.

Ich sprach mit Menschen, die die Ukraine bei den Verhandlungen in Istanbul 2022 vertreten haben. Sie erklärten mir im Detail, dass sie allem zugestimmt hatten. Und was sehr wichtig ist: Sie sagten, dass Selenskyj persönlich zugestimmt habe, den Donbass abzugeben.

Julija Mendel · frühere Sprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj

Nach Darstellung Mendels habe Selenskyj einem solchen Schritt zugestimmt, weil dies aus ihrer Sicht das Ende des Krieges bedeutet hätte. Zugleich warf sie ihm vor, seine Position später geändert zu haben.

Heute steht er vor einem Millionenpublikum und sagt: Ich kann den Donbass nicht abgeben. Sehen Sie, er ist widersprüchlich. Er ändert ständig seine Positionen. Ich hege keine persönliche Rache, aber ich denke, dass Selenskyj heute eines der grössten Hindernisse auf dem Weg zum Frieden ist.

Julija Mendel · frühere Sprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj

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Kritik am Kommunikationsstil im Präsidentenamt

Mendel äusserte sich im selben Interview auch über den internen Kommunikationsstil im Umfeld des Präsidenten. Sie sagte, Selenskyj habe 2019 oder 2020 angesichts sinkender Zustimmungswerte verlangt, positive Botschaften deutlich aggressiver zu verbreiten.

Das Wichtigste ist: Wir brauchen 1000 sprechende Köpfe. Und wenn 1000 sprechende Köpfe über positive Dinge sprechen, dann geschehen positive Dinge, und die Menschen glauben, dass es positive Dinge gibt.

Julija Mendel · frühere Sprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj

Laut Mendel hätten Mitarbeitende des Präsidialamts widersprochen und auf nicht eingelöste Versprechen verwiesen, darunter auf Wohnraum für Vertriebene aus dem Donbass. Sie schilderte zudem eine weitere, besonders scharfe Formulierung des Präsidenten.

Ich brauche Goebbels-Propaganda, wenn Sie so wollen. Ich brauche Tausende sprechende Köpfe, die Goebbels-Propaganda verbreiten.

Julija Mendel · frühere Sprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj

Weitere Vorwürfe und Eintrag auf Mirotworez

In demselben Interview äusserte Mendel auch Behauptungen über einen mutmasslichen Drogenkonsum Selenskyjs. Sie sagte zugleich, sie habe persönlich nie gesehen, dass der Präsident Drogen genommen habe. Ihre Aussagen stützten sich nach ihrer Darstellung auf Erzählungen von Personen aus seinem früheren Umfeld sowie auf Beobachtungen seines Verhaltens.

Nach den Veröffentlichungen wurde Mendel auf der Plattform Mirotworez eingetragen. Dort werden ihr unter anderem die Verbreitung russischer Propagandanarrative, Manipulation gesellschaftlich relevanter Informationen und Aufrufe zur Kapitulation der Ukraine vorgeworfen.

Ex-Sprecherin erhebt schwere Vorwürfe gegen Selenski: Donbass-Deal, Propaganda und Kokain-Gerüchte


Mirotworez ist eine umstrittene ukrainische Online-Datenbank, auf der Personen mit aus Sicht der Betreiber antiukrainischen Aktivitäten erfasst werden. Der Eintrag auf der Plattform hat keine rechtsstaatliche oder gerichtliche Wirkung.