Die russische Duma-Wahl verlief ohne Erschütterung und stützt damit vorerst den kontrollierten Kurs des Kremls. Gleichzeitig bleibt offen, ob Moskau am bisherigen Kriegsmodell festhält oder auf neue Eskalationsschritte zusteuert.
Der sichtbare Streit über ein Kriegsende konzentriert sich auf den ukrainisch kontrollierten Rest des Gebiets Donezk, obwohl dahinter weit grössere strategische Ziele stehen.
Innere Machtkämpfe in den USA und in Europa könnten die westliche Unterstützung für die Ukraine verändern und den Spielraum für eine Verständigung mit Russland vergrössern oder verkleinern.
In Washington wächst der Druck für Strafzölle gegen Staaten, die weiter russische Energie kaufen. Offene Fragen betreffen vor allem China, Indien und die Folgen für den Welthandel.
Am NATO-Gipfel in Ankara steht eine mehrjährige Militärhilfe für die Ukraine von rund 70 Milliarden Euro pro Jahr zur Debatte. Ob daraus tatsächlich neue Mittel fliessen, hängt von den einzelnen Regierungen ab.
Im UNO-Sicherheitsrat drängen die USA auf ein rasches Ende der Kämpfe. Die Ukraine signalisiert zugleich, dass ihre Bereitschaft zu einer Feuerpause entlang der Frontlinie nicht selbstverständlich bleibt.
Kiew und Washington beraten laut The Economist über ein zweistufiges Modell für eine Waffenruhe entlang der Front. Russland weist einen europäischen Ansatz zurück und beharrt auf eigenen Bedingungen.
Kiew verbindet die Hoffnung auf ein Kriegsende vor dem Winter mit der Forderung nach mehr Druck auf Russland und zusätzlicher Energie- sowie Luftabwehrhilfe.
Der geplante Urnengang zur Staatsduma im September könnte den Kreml inmitten von Kriegsmüdigkeit, inneren Spannungen und strategischen Grundsatzentscheidungen vor neue Probleme stellen.
Europa will Trump dazu bewegen, einen neuen Verhandlungsrahmen für die Ukraine zu unterstützen und sich von früheren Verständigungen mit Moskau zu lösen.
Die neue bulgarische Regierung will die militärische Unterstützung für die Ukraine beenden. Das betrifft auch einen in der EU wichtigen Produzenten von Munition sowjetischer Bauart.
Vier europäische Staaten wollen Friedensverhandlungen auf Basis der aktuellen Frontlinie, Sicherheitsgarantien für die Ukraine und eingefrorene russische Vermögen bis zu Entschädigungen an Kiew.
Der Vorstoss für ein persönliches Treffen mit Putin soll nach dieser Lesart vor allem zeigen, dass Moskau eine Feuerpause entlang der Frontlinie blockiert.
Putin weist Selenskyjs Vorschläge für ein Treffen und eine Waffenruhe zurück. Der Brief aus Kiew sollte dennoch mehrere politische Adressaten erreichen.
Ein Friedensplan kann für die Ukraine ein Weg zu dauerhaftem Frieden sein oder nur eine gefährliche Pause. Entscheidend sind Sicherheitsgarantien, Territorium, Sanktionen und die Frage, ob Russland von einem neuen Angriff abgehalten wird.