Putin hat Selenskyjs Brief kommentiert und alle Vorschläge für ein Treffen sowie für eine Waffenruhe entlang der Front zurückgewiesen.

Er wiederholte damit фактически seine bisherige Position, wonach der Krieg erst nach einer vollständigen Einnahme des Donbass gestoppt werden könne – oder nach einem Abzug der ukrainischen Truppen von dort, worauf sich Putin und Trump einer verbreiteten Version zufolge in Anchorage verständigt haben sollen. Bis dahin sieht er nach eigenen Worten keinen Sinn in einem Treffen mit Selenskyj.

Gleichzeitig reagierte er auf das wichtigste Argument, mit dem Selenskyj und europäische Politiker versuchen, ihn zu einem Stopp des Krieges entlang der Front zu bewegen: die ukrainischen Angriffe auf Infrastruktur in Russland. Putin räumte ein, dass diese Angriffe einen gewissen Schaden verursachen, sagte aber, daraus folge nur, dass die Luftabwehr verstärkt werden müsse. Ausserdem erklärte er, der russischen Wirtschaft drohe weder jetzt noch in Zukunft etwas.

Alle haben gesehen, wie Trump Selenskyj erzieht. Aber dort gibt es noch einiges, woran gearbeitet werden muss.

Wladimir Putin

Aus Putins Worten geht zudem hervor, dass er weiterhin darauf wartet, dass Trump Druck auf Selenskyj ausübt, damit dieser die «Vereinbarungen von Anchorage» umsetzt.

Weshalb Selenskyj den Brief schrieb

Die Frage ist, weshalb Selenskyj diesen Brief überhaupt schrieb, wenn Putins negative Antwort leicht vorauszusehen war. Zumal die Vorschläge im Brief so formuliert gewesen sein sollen, dass eine Ablehnung praktisch garantiert war, einschliesslich scharfer persönlicher Angriffe auf Putin.

Offenbar verfolgt Selenskyj damit seine bisherige Linie: Kiew sei bereit, den Krieg sofort zu beenden, doch Putin wolle das nicht, weil er Bedingungen stelle, die für die ukrainische Führung offenkundig unannehmbar seien – etwa den Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk.

Diese Botschaft richtet sich demnach an drei Hauptadressaten. Erstens an Trump, den Selenskyj von einem «Kurs von Anchorage» abbringen will, indem er zeigt, dass Putin das Haupthindernis für ein Kriegsende sei. Zweitens an die ukrainische Gesellschaft: Der Präsident zeigt, dass er für ein Ende des Krieges ist, der Kreml aber dagegen – und deshalb weitergekämpft werden muss. Drittens an den kriegsmüden Teil der russischen Gesellschaft, der zunehmend Unzufriedenheit mit der Länge der Kampfhandlungen zeigt.

Was nun für den weiteren Verlauf wichtig wird

Bislang sieht Putin für sich offenbar keine ernsthaften Bedrohungen, die ihn zu einem Strategiewechsel bewegen würden. Selbst ukrainische Drohnenangriffe auf Logistik und Infrastruktur betrachtet er demnach nicht als solche Gefahr. Er ist bereit, den Abnutzungskrieg fortzusetzen.

Entscheidend wird nun sein, ob Russland die Folgen dieser Angriffe tatsächlich eindämmen und einen schweren Schaden für die Wirtschaft verhindern kann. Ebenso wichtig ist, ob die russische Armee die Initiative an der Front halten kann. Falls Russland in beiden Punkten Probleme bekommt, würde Moskau vor einer Wahl stehen: entweder einer Einstellung des Krieges entlang der Front zuzustimmen oder auf eine neue Eskalationsstufe überzugehen – etwa durch Mobilisierung und/oder den Einsatz von Atomwaffen.

Vorerst aber sieht Putin nach seinen Aussagen keinen Anlass, vom bisherigen Kurs abzuweichen oder abrupte Entscheidungen zu treffen.

Für den weiteren Verlauf wird auch entscheidend sein, ob Trump praktische Druckmittel gegen Selenskyj einsetzt – etwa die Abschaltung von Starlink oder von Geheimdienstinformationen –, um ihn zur Umsetzung der «Vereinbarungen von Anchorage» zu bewegen, einschliesslich eines Truppenabzugs aus dem Donbass.

Derzeit gibt es dafür keine Anzeichen. In Washington sind die Positionen von Politikern wie Aussenminister Rubio stark, die für einen harten Kurs gegenüber Moskau eintreten. Vollständig ausschliessen lässt sich jedoch derzeit nichts. Vieles wird von der allgemeinen Weltlage abhängen, die wiederum die Beziehungen zwischen den USA und Russland beeinflusst.