Lage um Kostjantyniwka
Russische Truppen werden nach Angaben ukrainischer Frontbeobachter inzwischen nahezu entlang des gesamten Perimeters von Kostjantyniwka festgestellt. Besonders aktiv seien sie an den südlichen, südöstlichen und westlichen Flanken. Kleine Gruppen versuchten demnach, durch Wohngebiete und Industrieareale vorzudringen und sich in Kellern, Ruinen und leerstehenden Gebäuden festzusetzen.
Beschrieben wird eine Taktik, bei der immer wieder neue Gruppen nachgeschoben werden. Ein Teil werde abgewehrt oder zurückgedrängt, andere blieben jedoch in der Stadt und bildeten neue Brennpunkte. Dadurch werde die Frontlinie unübersichtlicher, und russische Soldaten könnten an unerwarteten Stellen auftauchen.
Als Problem nennt der Frontbeobachter den Mangel an Infanterie für das systematische Säubern einzelner Quartiere. Selbst nach der Verdrängung russischer Soldaten aus einem Abschnitt könnten kurz darauf in benachbarten Häuserblöcken neue Gruppen auftauchen.
Lassen wir uns offen sprechen: Alle verstehen sehr gut, dass früher oder später jede Verteidigung brüchig werden kann. Das liegt längst nicht immer an Kommandeuren oder der Führung insgesamt. Es kommt ein Moment, in dem der Gegner so grosse Ressourcen aufbaut und die Front so weit auseinandergezogen wird, dass es physisch fast unmöglich wird, jeden Waldstreifen, jedes Haus und jedes Quartier zu halten. Keine Verteidigung ist unendlich, besonders wenn rund um die Uhr und ohne Unterbruch Druck ausgeübt wird.
Druck auch auf die Achse Kramatorsk–Slowjansk
Zusätzlich meldet DeepState russische Vorstösse im Raum Krywa Luka östlich von Slowjansk. Im Abschnitt Kramatorsk–Slowjansk habe der Druck nach Einschätzung desselben ukrainischen Militärbeobachters insgesamt deutlich zugenommen.
Als besonders auffällig beschreibt er den häufigeren Einsatz von FPV-Drohnen mit Glasfasersteuerung. Diese würden vermehrt gegen Fahrzeuge und Nachschubrouten eingesetzt, auch in Gebieten, die bislang als vergleichsweise sicher galten. Genannt wird unter anderem der Abschnitt zwischen Druschkiwka und Krasnotorka.
Demnach reicht auch russische Artillerie inzwischen bis in entferntere Bereiche von Kramatorsk. Von massiven Beschüssen der Stadt ist dabei noch nicht die Rede. Die wachsende Reichweite deutet jedoch darauf hin, dass sich die Distanz zwischen Front und städtischer Agglomeration verringert.
Im Raum Slowjansk werde zudem Aufklärung bei Raj-Oleksandriwka und weiter nördlich beobachtet. Nach dieser Darstellung sucht Russland dort nach möglichen Routen für weitere Vorstösse und nach Orten zur Konzentration von Sturmgruppen. Auch auf Mykolajiwka nehme der Druck schrittweise zu. Zunehmend unter Beschuss von FPV-Drohnen gerät demnach auch die Strasse Isjum–Slowjansk, was die ukrainische Logistik zusätzlich erschweren könnte.
Ein abrupter Durchbruch wird für diesen Frontabschnitt derzeit nicht beschrieben. Erkennbar sei jedoch eine schrittweise Vorbereitung weiterer Offensivmöglichkeiten: durch Druck auf die Versorgung, Aufklärung möglicher Schwachstellen und grössere Reichweite gegen Ziele im rückwärtigen Raum.
DeepState ist ein in der Ukraine breit beachtetes Frontmonitoring-Projekt, das Veränderungen an der Front auf Grundlage offener Quellen und Feldberichte kartiert.




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