Russische Truppen sind bei Kupjansk vorgerückt und tiefer in den östlichen Teil der Stadt eingedrungen. Das schreibt der ukrainische Militärexperte Konstjantyn Maschowez.

Die auffälligsten Veränderungen sieht er südlich von Kupjansk. Russische Gruppen haben ihre Präsenz in Kuriliwka ausgeweitet, einschliesslich des Gebiets der ehemaligen Militärsiedlung und des Lyzeums, und sind entlang des Flusses Losowatka bis zum Bahnhof vorgerückt.

Ausserdem sind russische Einheiten in den nordöstlichen Teil von Kowschariwka eingedrungen und versuchen, entlang der Eisenbahn in Richtung Kupjansk-Uslowyj weiter vorzurücken.

Nördlich davon sickern russische Soldaten in Richtung Petropawliwka, Kutscheriwka und in den östlichen Teil von Kupjansk vor. Einzelne Gruppen wurden im Bereich des Milchkonservenkombinats, des Lyzeums Nr. 7 und des Geschäfts Ambar gesichtet. Die Behauptungen russischer Quellen über einen gross angelegten Durchbruch nach Saoskillja hält der Experte jedoch derzeit für verfrüht.

Auch Vorstösse in Richtung Podoly, Nowoossynowe und in den westlichen Teil von Kupjansk über Holubiwka werden festgestellt, bislang aber ohne nennenswertes Ergebnis.

Ziel ist offenbar die Teilung des ukrainischen Brückenkopfs

Nach Einschätzung von Maschowez versucht das russische Kommando, den ukrainischen Brückenkopf durch einen Vorstoss von Pischtschane in Richtung Kupjansk-Uslowyj in zwei Teile zu zerschneiden. Danach soll zunächst der nördliche Teil der ukrainischen Verteidigung im Raum Ost-Kupjansk, Petropawliwka und Kutscheriwka ausgeschaltet werden, bevor anschliessend der Raum Kowschariwka und Nowoossynowe an die Reihe kommt.

Der Experte schreibt, die Lage für die ukrainischen Streitkräfte verschlechtere sich langsam, aber stetig. Russland nutze den Vorteil bei der Zahl der Sturmtruppen, die dichte städtische Bebauung und die Vegetation, die kleinen Gruppen helfe, sich vor Drohnen zu verbergen, sowie intensive Unterstützung durch Luftwaffe und Artillerie.

Gleichzeitig betont Maschowez, dass Russland für vollwertige Kämpfe um den östlichen Teil von Kupjansk und um Kupjansk-Uslowyj deutlich mehr Infanterie benötigen würde. Freie Reserven seien jedoch bereits bei Lyman, Borowa und an anderen Frontabschnitten gebunden.

Deshalb geht Maschowez davon aus, dass das ukrainische Kommando noch Zeit für Entscheidungen über die weitere Verteidigung des Raums Kupjansk hat. Die zentrale Frage sei, wie wirksam diese Möglichkeit genutzt werde.

Ukrainische Militärs hatten bereits zuvor über eine neue russische Offensive in Kupjansk berichtet. Die ukrainischen Behörden hatten ausserdem die Evakuierung aus dem Raum Kupjansk verstärkt.