Brief an Washington nach massivem Luftangriff
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den jüngsten russischen Angriffen ein besonderes Schreiben an US-Präsident Donald Trump und den Kongress geschickt. Darin beschreibt er die ukrainische Luftabwehr als erste Priorität und fordert schnellere Lieferungen von Patriot-Systemen und insbesondere von Patriot-Abfangraketen.
In seiner abendlichen Ansprache bestätigte Selenskyj, dass der Brief bereits nach Washington übermittelt worden sei. Er sagte, nach dem massiven russischen Angriff in der Nacht auf Sonntag brauche die Ukraine mehr Schutz vor ballistischen Bedrohungen.
Patriot-Batterien ohne Raketen als zentrales Problem
Im veröffentlichten Schreiben betont Selenskyj, die Ukraine sei bei der Abwehr ballistischer Raketen fast vollständig auf die Vereinigten Staaten angewiesen. Patriot-Systeme blieben das wirksamste Mittel gegen russische ballistische Raketen.
Für uns gibt es kaum etwas Schmerzlicheres als Patriot-Batterien ohne geladene Raketen. Ich bitte Sie um Ihre Hilfe beim Schutz des ukrainischen Himmels vor russischen Raketen.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Selenskyj verweist in dem Brief auch auf das Programm PURL, über das die Ukraine nach seinen Angaben bereits Patriot-Raketen erhalten habe, die mit europäischem Geld gekauft werden. Die derzeitigen Liefergeschwindigkeiten entsprächen jedoch nicht mehr der aktuellen Bedrohungslage.
Schilderung des Angriffs vom 24. Mai
Als Auslöser für seinen Appell nennt Selenskyj den russischen Grossangriff in der Nacht auf den 24. Mai. Nach seinen Angaben setzte Russland dabei 54 Marschflugkörper, 30 ballistische Raketen, drei Hyperschallraketen vom Typ Zirkon, zwei aerobalistische Raketen vom Typ Kinschal sowie rund 600 Angriffsdrohnen ein.
Ausserdem schreibt Selenskyj, Russland habe zwei Mittelstreckenraketen vom Typ Oreschnik gestartet. Eine habe das Gebiet Kiew getroffen, eine weitere sei Berichten zufolge auf vorübergehend besetztem Gebiet in der Region Donezk niedergegangen. Russland hat dies nicht bestätigt.
Laut dem Schreiben wurden bei dem Angriff fast 100 Menschen verletzt, zudem gab es Tote. Beschädigt worden seien 352 Wohngebäude, 19 Schulen und Bildungseinrichtungen sowie zwei Museen.
Appell an die USA und Hinweis auf gemeinsame Sicherheit
Selenskyj argumentiert, die Frage gehe über die Ukraine hinaus. Die Wirksamkeit von Patriot-Systemen sei auch für die Sicherheit des euroatlantischen Raums und anderer US-Verbündeter von Bedeutung. Zugleich erklärt er, die Ukraine sei bereit, die benötigte Zahl von Patriot-Systemen und Raketen selbst zu erwerben.
Darüber hinaus schlägt er einen langfristigen Ausbau gemeinsamer Produktion mit europäischen Partnern vor, unter US-Kontrolle als Eigentümerin der Technologie. In dem Schreiben verweist Selenskyj zudem auf frühere amerikanische Waffenlieferungen wie Javelin, HIMARS, ATACMS, Bradley und F-16, die nach seiner Darstellung entscheidend zur ukrainischen Verteidigung beigetragen hätten.
Zum Schluss verbindet er den Appell mit einem politischen Argument: Solange Russland bei ballistischen Raketen einen wesentlichen Vorteil behalte, werde der Kreml ernsthafte Diplomatie meiden.




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