Luftabwehr gerät unter wachsenden Druck
Die Ukraine kann russische ballistische Raketen nach einem Bericht der New York Times immer schlechter abfangen. Das Blatt beruft sich auf ukrainische Militärvertreter und Offiziere der Luftabwehr. Demnach verschärft der Mangel an Flugabwehrraketen für westliche Systeme die Lage zusätzlich.
Als Gründe nennen die Befragten neben der Knappheit an Abfangraketen auch die Grösse des Landes. Viele Objekte könnten deshalb nicht ausreichend geschützt werden. Gleichzeitig nehme die Zahl der Raketenangriffe zu, sodass Abschussanlagen teils ohne verfügbare Munition stünden.
Russlands Angriffe nehmen stark zu
Nach von der New York Times zusammengetragenen Daten hat Russland die Zahl der eingesetzten ballistischen Raketen stark erhöht: von 74 im Jahr 2023 auf fast 600 im Jahr 2025. In diesem Jahr seien bereits 410 ballistische Raketen gegen die Ukraine gestartet worden. Hält dieses Tempo an, würde das auf rund 900 Raketen im Gesamtjahr hinauslaufen.
Die Zeitung verweist zugleich auf Engpässe bei westlichen Abfangraketen. Lockheed Martin, Hersteller der modernen PAC-3-Abfangraketen, erklärte demnach, im vergangenen Jahr weltweit insgesamt 620 solcher Flugkörper ausgeliefert zu haben.
Oberst Ihnat sagte, die Ukraine habe in den vergangenen drei Jahren seit Erhalt des ersten Patriot-Systems mehr als 1'600 Raketen dafür bekommen, darunter PAC-3 sowie ältere PAC-2-Raketen. Dennoch halte die Versorgung mit dem Anstieg russischer Angriffe nicht Schritt.
Patriot ist ein westliches Flugabwehrsystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und je nach Version auch ballistischen Raketen. PAC-2 und PAC-3 bezeichnen unterschiedliche Typen von Abfangraketen innerhalb dieses Systems.
Eigene Lösungen bleiben offen
Die New York Times erwähnt auch ukrainische Bemühungen, ein eigenes Flugabwehrsystem zu entwickeln. Ob ein solches System in seiner Wirksamkeit mit Patriot vergleichbar wäre, ist demnach offen.
Hinzu kommt, dass die Versorgungslage aus Sicht der Zeitung kaum rasch besser werden dürfte. Als ein Faktor wird der hohe Verbrauch von Flugabwehrraketen im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Iran und den USA genannt.
Wenn man die Zahl der ballistischen Raketen, die in Russland monatlich produziert werden, mit der Zahl der Abfangraketen vergleicht, die jährlich hergestellt werden, geht die Rechnung schlicht nicht auf.
Oleh Katkow · Chefredaktor von Defense Express




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