Aussage eines Kommandeurs zu Abwehr über Wohngebieten

Ukrainischen Militärangehörigen ist es nach Darstellung eines Bataillonskommandeurs nicht rechtlich verboten, iranisch gebaute Shahed-Drohnen auch über Wohngebieten zu bekämpfen. Für Schäden durch herabfallende Trümmer gebe es unter Kriegsrecht keine rechtliche Verantwortung der Soldaten, sagte Rustam Mustafajew, Kommandeur eines Abfangbataillons der 9. Brigade der Kräfte unbemannter Systeme.

Es gibt keinerlei rechtliche Verbote, über Wohnobjekten abzuschiessen, weil Kriegsrecht gilt. Für diese Folgen werden Militärangehörige keine Verantwortung tragen.

Rustam Mustafajew · Kommandeur eines Abfangbataillons der 9. Brigade der Kräfte unbemannter Systeme

Mustafajew sprach dabei ausdrücklich für die Praxis seiner eigenen Einheit und nicht für alle Verbände.

Interne Regel: warten, bis die Drohne die Gefahrenzone verlässt

Nach seinen Angaben gilt in seiner Einheit eine interne Regel: Wird ein Ziel über Gebieten mit Zivilbevölkerung oder über Infrastruktur erfasst, begleitet die Besatzung die Drohne visuell weiter, bis sie diese Zone verlassen hat. Erst danach werde sie zerstört, damit Trümmer möglichst keinen Schaden anrichten.

Diese Möglichkeit bestehe vor allem für Drohnen-Abfangteams. Mobile Feuergruppen könnten ein Ziel oft nicht gleich präzise genug verfolgen.

Mit mobilen Feuergruppen sind in der Ukraine bewegliche Einheiten gemeint, die Luftziele mit leichten Waffen oder Bordmitteln bekämpfen. Sie werden seit Beginn der russischen Drohnen- und Raketenangriffe breit eingesetzt.


Schutz von Zivilisten: Taktik einer ukrainischen Einheit beim Abschuss von «Shahed»-Drohnen über Wohngebieten. Rustam Mustafajew

Kritik an Ausrüstung mobiler Feuergruppen

Mustafajew sagte, ein grosser Teil dieser mobilen Feuergruppen verfüge nicht über ausreichend gute Wärmebild- oder Nachtsichtvisiere sowie über wirksame Ortungssysteme. Das führe dazu, dass viele Schüsse die Shahed-Drohnen verfehlten und stattdessen zivile oder andere Objekte beschädigen könnten.

Mehr als die Hälfte der mobilen Feuergruppen hat ganz sicher weder hochwertige Wärmebild- noch Nachtsichtvisiere, die wirklich vernünftig erkennen, und sie haben keine Erkennungssysteme. Das führt dazu, dass die meisten Kugeln nicht die Shahed selbst treffen und zivile wie auch andere Objekte beschädigen können.

Rustam Mustafajew · Kommandeur eines Abfangbataillons der 9. Brigade der Kräfte unbemannter Systeme

Die Aussage verweist auf ein praktisches Dilemma der ukrainischen Luftabwehr im Drohnenkrieg: Je schneller eine Drohne bekämpft wird, desto geringer ist das Risiko eines direkten Treffers am Ziel. Gleichzeitig steigt in dicht bebauten Gebieten die Gefahr durch verfehlte Schüsse oder Trümmer.