Beobachtung aus dem Frontgebiet

Nahe der Frontlinie im Donbass sind offenbar erste Vogelnester aufgetaucht, die mit Glasfaserkabeln von Drohnen gebaut wurden. Darauf weist der ukrainische Archäograf und Soldat Oleh Maltschenko hin, der derzeit im Kriegseinsatz steht.

Er schildert, nach einem Einschlag einer gelenkten Fliegerbombe sei ein Baum umgestürzt. Aus der Krone sei ein unvollendetes Nest gefallen, das eine kleine Vogelart mit Drohnen-Glasfaser gebaut habe.

Tiere unter Beschuss

Maltschenko beschreibt auch die Folgen des Krieges für Vögel in der unmittelbaren Umgebung seines Unterstands. Nach Artillerieschlägen würden immer wieder benommene Tiere von Bäumen fallen. Manche flögen noch auf, seien aber desorientiert und prallten gegen Dächer oder Masten.

Auch ein Buntspecht, der sich zuvor offenbar an den Lärm gewöhnt habe, sei nach dem Einschlag einer KAB neben einem Haus durch Trümmer getötet worden.

KAB ist die in der Ukraine gebräuchliche Abkürzung für russische gelenkte Fliegerbomben. Sie werden häufig gegen Orte und Stellungen nahe der Front eingesetzt.

Kriegsreste als Teil des Alltags

Die Beobachtung verweist auf eine Umgebung, in der sich Reste militärischer Technik in den Alltag einschreiben. Glasfaserkabel werden im Krieg unter anderem bei Drohnen eingesetzt, die gegen Störsignale unempfindlicher sein sollen als funkgesteuerte Systeme.

Seien wir klug und kreativ wie unsere Vögel – nutzen wir diesen Krieg zu unserem eigenen Vorteil. Wenn wir es können.

Oleh Maltschenko · Archäograf und Soldat

Maltschenko deutet das Nest aus Glasfaser als bedrückendes, aber auch eigentümlich anpassungsfähiges Bild des Lebens im Krieg.