Was Moskau angekündigt hat
Das russische Aussenministerium hat angekündigt, Kiew künftig mit «aufeinanderfolgenden» Schlägen zu treffen. Als Ziele nannte Moskau ukrainische Rüstungsbetriebe, Kommandostellen und politische Entscheidungszentren. Zugleich wurden ausländische Staatsangehörige aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt möglichst rasch zu verlassen.
Unter den gegebenen Umständen beginnen die Streitkräfte der Russischen Föderation mit aufeinanderfolgenden systematischen Schlägen gegen Unternehmen des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes in Kiew, einschliesslich bestimmter Orte der Entwicklung, Produktion, Programmierung und Vorbereitung zum Einsatz von Drohnen. Schläge werden auch gegen Entscheidungszentren und Kommandoposten geführt.
Russisches Aussenministerium
Bereits am Sonntag hatte Russland einen massiven Angriff auf Kiew geflogen. Die neue Erklärung deutet darauf hin, dass weitere Angriffe nicht als Einzelereignis, sondern als fortgesetzte Kampagne dargestellt werden.
Mögliche Motive hinter der Drohung
Die russische Begründung verweist auf einen Angriff auf Starobilsk. Darüber hinaus lassen sich mehrere strategische Motive erkennen. Ein wichtiger Punkt ist die angespannte Lage der ukrainischen Luftabwehr. In den ukrainischen Streitkräften wird seit längerem offen über Engpässe bei Raketen für Flugabwehrsysteme gesprochen. Wenn weniger Abfangmunition verfügbar ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass russische Raketen ihre Ziele in und um Kiew erreichen.
Hinzu kommt der politische und psychologische Effekt. Angriffe auf die Hauptstadt erzeugen weit mehr Aufmerksamkeit als Schläge auf andere Städte. Aus russischer Sicht lassen sie sich im Inland als sichtbare Reaktion auf Angriffe auf russisches Gebiet und auf die Region um Moskau darstellen. Gleichzeitig zielen solche Angriffe darauf, die Bevölkerung zu zermürben, Unsicherheit zu verstärken und den Druck auf die ukrainische Führung zu erhöhen.
Ob diese Rechnung aufgeht, ist offen. Angriffe auf Städte können auch den gegenteiligen Effekt auslösen und den Wunsch nach Widerstand verstärken. Ebenso ist unklar, ob wiederholte Angriffe auf Kiew den internationalen Rückhalt für die Ukraine eher festigen oder ob andere Krisen die Aufmerksamkeit der Partnerstaaten absorbieren.
Warum Kiew besonders verletzlich ist
Kiew ist nicht nur politisches Zentrum, sondern auch ein zentraler Industrie- und Logistikstandort des Landes. Entsprechend gross ist die Bandbreite möglicher Ziele. Gleichzeitig verfügt die ukrainische Führung über geschützte unterirdische Anlagen, die bereits in sowjetischer Zeit gebaut wurden und im Fall dauerhafter Angriffe stärker genutzt werden könnten.
Besonders heikel wäre eine gezielte Angriffswelle gegen städtische Infrastruktur. Als Warnsignal gilt ein jüngster Treffer auf die Bortnytska-Kläranlage. Sollten Wasserversorgung oder Kanalisation schwer beschädigt werden, hätte das unmittelbare Folgen für den Alltag in der Hauptstadt: Menschen könnten die Stadt verlassen, wirtschaftliche Aktivität würde sinken, und das öffentliche Leben würde erheblich gestört.
Als grösste Gefahr gilt derzeit jedoch eine Kombination aus Luftabwehrmangel und erneuten massiven Angriffen auf die Energieversorgung. Falls die Ukraine die Engpässe bei Flugabwehrraketen nicht ausgleichen kann und Russland wieder breit gegen Energieanlagen vorgeht, könnten die Folgen schwerer ausfallen als im vergangenen Winter.




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