Offizielle Kritik aus Israel

Israel hat die staatliche Wiederbestattung von Andrij Melnyk auf dem Gelände des Nationalen Militärgedenkfriedhofs in Kiew kritisiert. Stellungnahmen dazu veröffentlichten die staatliche Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und das israelische Aussenministerium.

Die Wiederbestattung von Andrij Melnyk an einem Ort für staatliche Bestattungen in der Ukraine löst ernste Bedenken aus. Die Ehrung eines Führers einer Bewegung, die während der Verfolgung und Ermordung von Millionen Juden Nazi-Deutschland unterstützte und mit ihm zusammenarbeitete, untergräbt die moralische Integrität, die für die Bewahrung der Erinnerung an den Holocaust notwendig ist. Yad Vashem ist über solche nationalen Gedenkveranstaltungen zutiefst besorgt, wenn sie auf Kosten historischer Wahrheit und des Gedenkens an die Opfer des Holocaust stattfinden.

Yad Vashem

Das israelische Aussenministerium verbreitete die Erklärung weiter und ergänzte eine eigene Stellungnahme.

Wir bedauern die Entscheidung, eine offizielle staatliche Zeremonie zur Wiederbestattung des mit den Nazis kollaborierenden OUN-Führers Andrij Melnyk abzuhalten. Es ist unzulässig, die historische Wahrheit und die Erinnerung an die Opfer zu ignorieren, die von den Nazis und ihren Helfern ermordet wurden.

Israelisches Aussenministerium

Bestattung mit ukrainischer Staatsspitze

Melnyk und seine Frau Sofija wurden auf dem Nationalen Militärgedenkfriedhof beigesetzt. An der Zeremonie nahmen Präsident Wolodymyr Selenskyj, Ex-Präsident Wiktor Juschtschenko, Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk, Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko, der Leiter des Präsidentenbüros Kyrylo Budanow sowie Aussenminister Andrij Sybiha teil.

Die sterblichen Überreste von Melnyk und seiner Frau waren zuvor in Luxemburg exhumiert und anschliessend in die Ukraine überführt worden.

Historische Rolle Melnyks

Andrij Melnyk war einer der führenden Köpfe der Organisation Ukrainischer Nationalisten, kurz OUN, und stand in Rivalität zu Stepan Bandera. Historisch gilt er als Vertreter des OUN-Flügels, der enger auf Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Deutschland setzte.

Die OUN war eine ukrainische nationalistische Bewegung, die sich vor und während des Zweiten Weltkriegs in rivalisierende Lager spaltete. Die Flügel um Melnyk und Bandera beanspruchten beide, die legitime Führung der Organisation zu sein.

Die Wiederbestattung hat deshalb nicht nur in der Ukraine, sondern auch international eine Debatte über Erinnerungspolitik, historische Verantwortung und den Umgang mit belasteten Figuren des ukrainischen Nationalismus ausgelöst.