Wolodymyr Selenskyj treibt die Reform des TCK voran, weil er befürchtet, dass Russland im Herbst eine Generalmobilmachung ausrufen könnte. So erklärte er laut Ukrainska Prawda unter Berufung auf Quellen an einer Sitzung der Fraktion Diener des Volkes den Rücktritt von Verteidigungsminister Fedorow.

Den Angaben zufolge sagte Selenskyj, Fedorow habe die von ihm versprochene Reform der Mobilisierung nicht umgesetzt. Der derzeitige Innenminister Klymenko könne nach Selenskyjs Ansicht in diesem System eher Ordnung schaffen.

Selenskyj sagte, dass, wenn Putin am 23. September, also nach den Parlamentswahlen in Russland, eine Generalmobilmachung ausruft, niemandem mehr nach Scherzen und digitalen Reformen zumute sein werde. Mit der Mobilisierung müsse man sich davor befassen.

Das TCK ist in der Ukraine das territoriale Zentrum für Rekrutierung und soziale Unterstützung. Es ist unter anderem für militärische Erfassung und Mobilisierungsverwaltung zuständig.

Aus dieser Aussage lässt sich schliessen, dass Selenskyj das TCK nicht in erster Linie reformieren will, um die umstrittene gewaltsame Einziehung auf der Strasse zu beenden, sondern um die Zahl der Mobilisierten zu erhöhen.

Konflikt zwischen Fedorow und Syrskyj

Wie weiter berichtet wird, konnte Selenskyj den ständigen Konflikt zwischen Fedorow und Oberbefehlshaber Syrskyj nicht länger hinnehmen.

Sie leben in zwei verschiedenen Welten. Mischa will alles digitalisieren und ein System rund um Technologien aufbauen. Die Militärs wollen dagegen, dass man ihnen einfach zuhört. Sie bitten darum, bestimmte Waffensysteme zu beschaffen, und er lehnt das ab und finanziert andere Richtungen. Sie haben einfach aufgehört, einander zuzuhören.

Es wurde geradezu absurd. Syrskyj kam und sagte: Fedorow stellt für konkrete Operationen nichts bereit. Dann kam Fedorow und antwortete: Wir haben alles bereitgestellt, es wird nur falsch eingesetzt, nicht so und nicht dort, wo es nötig ist. Und so ging es immer weiter.