Konflikt nach Kontrolle im Stadtteil Sychiw

In Lwiw ist es am Dienstagabend zu schweren Ausschreitungen gegen Mitarbeitende des TCK gekommen. Im Stadtteil Sychiw versammelten sich zahlreiche Menschen um ein Dienstfahrzeug der Rekrutierungsbehörde, blockierten es und stürzten es schliesslich um.

Bürgermeister Andrij Sadowyj bestätigte, dass sich der Vorfall im Sychiwer Stadtbezirk ereignete. Auslöser war nach Berichten aus der Stadt ein umstrittener Mobilisierungseinsatz.

Das TCK ist in der Ukraine das territoriale Zentrum für Rekrutierung und soziale Unterstützung. Es ist unter anderem für militärische Erfassung und Mobilisierungsverwaltung zuständig.

Menschen umringen ein TCK-Fahrzeug in Lwiw.

Unterschiedliche Darstellungen zum Auslöser

Nach Angaben lokaler Berichte soll ein TCK-Mitarbeiter einen jungen Mann angegriffen haben. In diesem Zusammenhang war von einem 20-Jährigen die Rede. Daraufhin habe sich rasch eine Menschenmenge gebildet, die das Fahrzeug des TCK einkesselte.

Die Polizei schilderte den Ablauf anders. Demnach hätten TCK-Mitarbeitende einen Mann des Jahrgangs 1996 kontrolliert, der gegen Regeln der militärischen Erfassung verstossen habe und seit dem 12. Juni gesucht worden sei. Während des Einsatzes hätten Passanten das Vorgehen behindert, worauf sich immer mehr Menschen am Ort versammelt hätten.

Auch das Lwiwer Gebiets-TCK erklärte, der Mann sei gemeinsam mit der Polizei zur Dokumentenkontrolle angehalten worden und habe zu einer medizinischen Kommission gebracht werden sollen. Danach habe eine Gruppe Unbekannter das Dienstfahrzeug blockiert, sich aggressiv verhalten, es stark beschädigt und schliesslich umgestürzt.

Die VLK ist die militärärztliche Kommission in der Ukraine. Sie entscheidet unter anderem über die Tauglichkeit für den Militärdienst.

Ermittlungen gegen beide Seiten angekündigt

Der Gouverneur des Gebiets Lwiw, Maksym Kosyzkyj, kündigte eine dienstliche Untersuchung zum Vorgehen der TCK-Mitarbeitenden an. Sie soll klären, ob es bei der Mobilisierung zu Regelverstössen kam.

Parallel dazu untersuchen die Strafverfolgungsbehörden die Handlungen jener Personen, die das Dienstfahrzeug umstürzten. Das Gebiets-TCK erklärte, alle Beteiligten würden rechtlich bewertet und Verantwortliche müssten mit Konsequenzen rechnen.

Der Mann, dessen Anhaltung die Konfrontation ausgelöst hatte, wurde nach Angaben des TCK an die militärärztliche Kommission überwiesen.

Scharfe Reaktion aus Kiew

Aus Kiew kam rasch Kritik an den Angreifern aus der Menge. Der Chef des Präsidialamts, Kyrylo Budanow, forderte eine Reaktion der Strafverfolgungsbehörden.

Wenn ihr einem Soldaten eurer Armee die Kleidung vom Leib reisst und ihn schlagt, denkt daran, wer euch morgen vor einer feindlichen Armee schützen wird, die euch genauso schlagen und entkleiden wird.

Kyrylo Budanow · Chef des Präsidialamts

Budanow sprach von der Erwartung einer gerechten Reaktion der Behörden auf die Ereignisse in Lwiw.