Bericht und Dementi aus dem Präsidialamt
Die ukrainische Führung soll sich nach einem Bericht von The Economist auf weitere zwei bis drei Jahre Krieg einstellen. Das Magazin beruft sich dabei auf Quellen in der ukrainischen Regierung und schreibt, Präsident Wolodymyr Selenskyj habe entsprechende Vorbereitungen angeordnet.
Ein Berater des Präsidenten weist diese Darstellung zurück. Präsidialberater Dmytro Lytwyn sprach von einem «Einwurf» und sagte, bei einem Treffen mit der Parlamentsfraktion habe der Präsident erklärt, der Fokus liege auf einem Zeithorizont von einem halben Jahr bis November.
Ja, das ist genau jener Einwurf, der schon einmal im Umlauf war. Vielleicht brauchten manche diesen Text als Träger für andere Botschaften darüber, wie schlecht angeblich alles sei. Dabei sagte der Präsident beim Treffen mit der Fraktion, man müsse sich auf ein halbes Jahr bis November konzentrieren, und diesen Zeitraum gibt es.
Dmytro Lytwyn · Berater des Präsidenten
The Economist beschreibt Erschöpfung im Hinterland
The Economist beschreibt zugleich eine starke Belastung der ukrainischen Gesellschaft und Infrastruktur durch den langen Krieg. Demnach verschleisst kritische Infrastruktur, und die Luftabwehr sei gefährlich geschwächt.
Das Magazin zitiert zudem unterschiedliche Stimmen zur Lage im Land. Ein befragter Ukrainer äussert scharfe Kritik an der Praxis, Männer mit Nachdruck für den Militärdienst aufzugreifen. Gemeint ist damit die in der Ukraine umstrittene «Busifizierung».
Wofür kämpfen wir, wenn wir nicht besser sind als Russland, sondern die Leute einfach in Lieferwagen stopfen?
Mit «Busifizierung» ist im ukrainischen Sprachgebrauch gemeint, dass Männer im mobilisierungsfähigen Alter von Behördenmitarbeitern teils abrupt aufgegriffen und zu Rekrutierungsstellen gebracht werden.
Dem stellt das Magazin die Einschätzung eines hochrangigen Geheimdienstmitarbeiters gegenüber, der trotz der Schwierigkeiten von einem Durchhalten ausgeht.
So schlecht alles auch aussehen mag, wir werden es schaffen.
Gott liebt die Ukraine.
Debatte über Kriegsdauer bleibt politisch heikel
Die Frage, wie lange die Ukraine einen Abnützungskrieg fortsetzen kann, ist politisch besonders sensibel. Bereits früher berichteten westliche Medien, die ukrainische Führung stelle sich intern auf mehrere weitere Jahre der Konfrontation ein. Aus dem Umfeld der Präsidialverwaltung wurden solche Darstellungen schon damals dementiert.
Parallel dazu kursierten zuletzt auch Berichte, Selenskyj habe in einer Fraktionssitzung gesagt, die «heisse Phase» des Krieges könnte bis November enden. Die aktuelle Debatte zeigt damit vor allem, wie stark sich öffentliche Kommunikation, interne Planungen und gesellschaftliche Stimmung derzeit überlagern.




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