Russland hat in Wyschnewe nach Darstellung des früheren Beraters des Präsidialamts, Oleksij Arestowytsch, Lager mit Militärproduktion angegriffen. Er äusserte sich damit zu den Explosionen vom Vortag mit massiver Detonation in dem Ort.

Arestowytsch sagte, ein Grund für einen solchen Einschlag wie in Wyschnewe sei der Abfluss von Informationen. Nach seinen Worten «reden in der Ukraine alle», weshalb der russische Geheimdienst «keine besonderen Probleme hat, Informationen zu beschaffen und richtig zu bewerten sowie Daten für Angriffe vorzubereiten».

Zugleich kritisierte Arestowytsch den Ansatz der ukrainischen Behörden beim Aufbau militärischer Infrastruktur. Seiner Darstellung nach investiere der Staat zu wenig in den Bau geschützter Lager und anderer Anlagen. Dadurch könnten Munition und anderes Material an Orten gelagert werden, die eine Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellten.

Kritik an Lagerung und Ausgabenpolitik

Arestowytsch schreibt weiter, dass weder die Ukraine noch Russland, anders als etwa Iran, Geld in ein unterirdisches System zur Lagerung strategisch wichtiger Materialien investierten. Deshalb leide die Zivilbevölkerung.

Auf ukrainischer Seite sieht er die Ursache in der Politik der Behörden.

Bei Selenskyj gibt es eine klare Vorgabe: von unserem Geld für den Krieg so wenig wie möglich auszugeben. Er glaubt aufrichtig, der Westen habe den Krieg zugelassen, es seien Auseinandersetzungen Russlands mit dem Westen, also müsse der Westen bezahlen. Deshalb wird enorm vieles, was im Krieg getan werden müsste, nicht getan. Das betrifft insbesondere die angemessene strategische Ausrüstung des Kriegsschauplatzes – sprich der gesamten Ukraine – im Hinblick auf die Sicherheit von Produktion sowie Lagerung von Waffen und Militärtechnik. Das sind riesige Summen, ein gewaltiger Arbeitsumfang, der sich schwer verbergen lässt, und eine unklare Wirksamkeit. Deshalb schreibt man mangels besserer Lösung auf gewöhnlichem Papier – und danach verschwinden bei uns in Wyschnewe ganze Strassen.

Oleksij Arestowytsch · früherer Berater des Präsidialamts

Arestowytsch erklärte zudem, die Unterbringung militärischer Objekte, Vorräte und anderer Güter inmitten ziviler Bebauung könne grundsätzlich ein Kriegsverbrechen darstellen und sei durch die Genfer Konventionen verboten. Die wichtigsten Regeln dazu stünden im Zusatzprotokoll I zu den Genfer Konventionen, vor allem in Artikel 58. Dieser verpflichte die Konfliktparteien, soweit praktisch möglich, militärische Objekte aus dicht besiedelten Gebieten zu entfernen, die Platzierung militärischer Ziele unter Zivilisten zu vermeiden und weitere Massnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Kriegsgefahren zu treffen.

Verweis auf Kiews Metro

Nach Ansicht von Arestowytsch liesse sich das Problem in Kiew vergleichsweise einfach lösen, wenn Munitions- und Waffenlager in der tief gelegenen Metro eingerichtet würden.

Bei einer tief angelegten Metro in Kiew Waffen offen zu lagern – dazu muss man wirklich strategischen Verstand haben.

Oleksij Arestowytsch · früherer Berater des Präsidialamts

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Geheimdienste am Vortag angewiesen, die Ursachen der Vorgänge in Wyschnewe zu untersuchen.