Breite Schäden in fast allen Stadtteilen
Bei einem nächtlichen Grossangriff ist Kiew schwer getroffen worden. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden Schäden und Brände in fast allen Bezirken der Stadt registriert. Betroffen waren Wohnhäuser, Lagerflächen, Infrastruktur und öffentliche Gebäude.
Im Obolon-Bezirk wurden mehrere Wohnhäuser und Lager beschädigt; nach herabfallenden Trümmern brannten dort auch rund 30 Autos. Im Podil-Bezirk kam es nach Trümmerfall zu Bränden in einem Privathaus und in einem dreistöckigen Gebäude. Im Solomjanskyj-Bezirk wurden Wohnhäuser beschädigt, zudem gab es Berichte über ein Feuer auf dem Gelände einer Bildungseinrichtung.
Auch in den Bezirken Petschersk, Dniprowskyj, Desnjanskyj, Holossijiwskyj, Darnyzkyj und Schewtschenkiwskyj wurden Schäden gemeldet. In Petschersk brannte ein Wohnheim, im Desnjanskyj-Bezirk geriet ein Kindergarten in Brand. In Holossijiwskyj waren Lagerobjekte, ein Wohnhaus und Infrastruktur betroffen.
Kiewer Höhlenkloster und weitere Kulturbauten beschädigt
Zu den sichtbarsten Schäden zählt ein Brand am Mariä-Entschlafens-Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters. Der Generaldirektor des Nationalreservats, Maksym Ostapenko, sagte, bei dem Drohnenangriff sei eine grosse Zahl von Objekten im oberen Teil des Gebäudes beschädigt worden. Religiöse Reliquien und Museumsstücke seien umgehend aus der Kathedrale evakuiert worden; das Ausmass der Schäden werde nun erfasst.
Nach Angaben des Vizekulturministers Werbyzkyj wurden auf dem Gelände des Klosters noch mehrere weitere Gebäude leicht beschädigt. Auch das Dach des Mystezkyj Arsenal in der Nähe des Klosters geriet in Brand. Die Feuerwehr meldete später, die Brände auf dem Gelände des Klosters auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern sowie im Mystezkyj Arsenal auf rund 1'000 Quadratmetern gelöscht zu haben.
Beschädigt wurden zudem die Dowschenko-Filmstudios, Wohnanlagen wie Comfort Town und Crystal Park sowie das Gebäude des Hohen Antikorruptionsgerichts am Chreschtschatyk, wo Fenster herausgerissen und die Fassade beschädigt wurden.
Tote, Verletzte und Stromausfälle
Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, sprach zunächst von vier Toten und 23 Verletzten, darunter ein Kind. Später teilte der Zivilschutz mit, in Kiew seien fünf Menschen getötet und 34 weitere verletzt worden.
Auch die Energieversorgung wurde getroffen. Nach Angaben der Behörden wurden Stromleitungen beschädigt. Im Norden Kiews waren zeitweise rund 140'000 Anschlüsse ohne Strom. Der Energieversorger DTEK erklärte, bei 105'000 Kundinnen und Kunden sei die Versorgung bis zum Morgen wiederhergestellt worden. Ukrenerho meldete zudem Ausfälle in den Gebieten Charkiw, Sumy, Odessa und Saporischschja.
Die Angriffe wirkten sich auch auf den Bahnverkehr aus. Ukrsalisnyzja meldete bei mehreren Verbindungen Verspätungen von bis zu fast vier Stunden, darunter auf Strecken zwischen Odessa und Dnipro, Krywyj Rih und Kiew, Charkiw und Lwiw sowie Kiew und Sumy.
Ukraine meldet 70 Raketen und 611 Drohnen
Die ukrainischen Streitkräfte erklärten, Russland habe in der Nacht 70 Raketen verschiedener Typen und 611 Drohnen gestartet. Nach diesen Angaben wurden 50 Raketen und 582 Drohnen abgefangen. Die Armee sprach davon, dass 20 Raketen und 27 Drohnen ihre Ziele erreicht hätten. Hauptziel des Angriffs sei Kiew gewesen; weitere Raketenangriffe habe es auf Dnipro und Charkiw gegeben.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, mehr als 60 der 70 in der Nacht gestarteten Raketen hätten Kiew angegriffen. Beim Besuch der beschädigten Kathedrale erklärte er zudem, die teilweise zerstörte Dachkonstruktion sei durch eine Drohne getroffen worden.
Wie Sie sehen, wurden nicht alle Drohnen abgeschossen. Durch eine Drohne wurde das Dach der Kathedrale teilweise zerstört.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Das russische Verteidigungsministerium erklärte dagegen, Ziel des Angriffs seien Objekte des ukrainischen Rüstungssektors, Flugplätze und TCK gewesen. Für die Schäden an der Kathedrale machte Moskau eine Abfangrakete des Patriot-Systems verantwortlich. Aus Kiew hiess es hingegen, das Gebäude sei von russischen Drohnen getroffen worden.
Das TCK ist in der Ukraine das territoriale Zentrum für Rekrutierung und soziale Unterstützung. Es ist unter anderem für militärische Erfassung und Mobilisierungsverwaltung zuständig.
Auch Kiewer Umland, Dnipro und Charkiw betroffen
Nicht nur die Hauptstadt wurde getroffen. In der Region Kiew brannten nach Angaben der Gebietsverwaltung in den Bezirken Browary und Butscha Lagerflächen; zudem standen in verschiedenen Orten Privathäuser und Autos in Flammen.
In Dnipro wurde laut der Gebietsverwaltung das Haus für Orgel- und Kammermusik beschädigt. In Charkiw kamen nach Angaben von Innenminister Ihor Klymenko fünf Mitarbeitende des Zivilschutzes bei einem erneuten Schlag auf den Ort eines vorangegangenen Angriffs ums Leben. Fünf weitere Einsatzkräfte wurden verletzt.




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