Eine der grössten Angriffswellen des Krieges
Russland hat die Ukraine in der Nacht auf Donnerstag mit 56 Raketen und 675 Drohnen angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe war dies eine der grössten nächtlichen Angriffswellen seit Beginn des Krieges. Hauptziel des Angriffs war Kiew.
Die Luftwaffe meldete, 41 von 56 Raketen abgefangen zu haben. Zudem seien 652 Drohnen abgeschossen oder elektronisch unterdrückt worden. Einschläge von 15 Raketen und 23 Angriffsdrohnen wurden an 24 Orten registriert, hinzu kamen Trümmer abgestürzter Drohnen an 18 weiteren Orten.
In Kiew steigen Opferzahlen und Schäden im Wohngebiet
In Kiew traf der Angriff unter anderem ein mehrstöckiges Wohnhaus im Stadtteil Charkiwer Massiw. Dort wurden nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko 18 Wohnungen zerstört. Die Rettungsarbeiten dauerten den ganzen Tag an.
Die Zahl der Todesopfer in der Hauptstadt stieg schrittweise: zunächst war von einem Toten die Rede, später von zwei, drei, vier und schliesslich 24 Menschen. Unter den Opfern ist laut Klitschko auch ein 12-jähriges Mädchen. Die Zahl der Vermissten lag zwischenzeitlich bei mehr als zehn und später bei mindestens 20. Nach Angaben des Innenministeriums konnten 28 Menschen aus dem zerstörten Haus gerettet werden.
Auch in anderen Stadtteilen wurden Schäden gemeldet. Im Rajon Obolon wurden ein dreistöckiges Parkhaus und ein Geschäftszentrum getroffen, zudem eine Wohnung im 12. Stock eines Wohnhauses beschädigt. Im Rajon Dnipro brannte das Dach eines fünfstöckigen Hauses, ausserdem gerieten Garagen in Brand. Im Rajon Solomjanka brannte ein parkiertes Auto. In den Rajons Holossijiw und Swjatoschyn fielen Trümmer auf Fahrbahnen und offene Flächen.
Zusätzlich wurden in Kiew eine Transformatoren-Unterstation und eine Hochspannungsleitung beschädigt. Auf dem linken Ufer der Stadt kam es zu Problemen bei der Wasserversorgung.
Angriffe auch auf Energie, Häfen und Unternehmen
Die nächtlichen Angriffe trafen auch weitere Regionen des Landes. Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko nannte unter anderem Krementschuk, Bila Zerkwa, Charkiw, Sumy und Odessa. In der Region Odessa wurde laut Militärverwaltung Hafeninfrastruktur angegriffen. Dabei wurden zwei Menschen verletzt; beschädigt wurden Ausrüstung, Eigentum und Lastwagen.
In der Region Tschernihiw fiel nach einem Angriff auf ein Energieobjekt in einem Teil des Gebiets der Strom aus. Nach Angaben des regionalen Energieversorgers waren mehr als 31'000 Anschlüsse betroffen. Auch im Gebiet Lwiw blieben nach einem Drohnentreffer auf eine Umspannstation 19 Ortschaften mit 21'970 Anschlüssen ohne Strom.
Ukrenerho meldete wegen der Angriffe auf die Energieinfrastruktur Stromabschaltungen in Kiew sowie in den Gebieten Kiew, Lwiw, Wolyn, Chmelnyzkyj, Poltawa, Charkiw, Sumy, Donezk, Saporischschja, Dnipro und Tschernihiw.
In Kiew wurde zudem nach Angaben des Unternehmens Skyeton das Büro des Drohnenherstellers zerstört. Das Unternehmen erklärte, es habe sich auf einen möglichen Angriff vorbereitet und Produktionskapazitäten deshalb im Land verteilt sowie ins Ausland verlagert. Betroffen war auch ein Möbelhersteller im Stadtteil Obolon.
Selenskyj kündigt Reaktion an
Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte nach den Angriffen eine Reaktion an und forderte zusätzlichen Druck auf Moskau.
Für all diese Angriffe wird es eine gerechte Antwort geben. Und man muss Moskau so unter Druck setzen, dass sie dort die Folgen ihres Terrors spüren. Wichtig ist, dass es Sanktionen der Welt gegen Russland gibt. Russlands Verantwortung für den Krieg und unser Sanktionsdruck müssen vollständig wirken. Und es ist auch sehr wichtig, dass die Welt zu diesem Terror nicht schweigt und an der Seite der Ukraine bleibt.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Hinweise auf Rakete des Typs Ch-101
Nach vorläufigen Angaben des ukrainischen Innenministers Ihor Klymenko wurde der zerstörte Eingangsteil des Mehrfamilienhauses von einer Rakete des Typs Ch-101 getroffen. Trümmer dieser Rakete seien im Keller des Hauses gefunden worden.
Die Angaben deuten darauf hin, dass es sich nicht um herabfallende Teile der Luftabwehr oder um eine Drohne, sondern um einen direkten Raketentreffer handelte.




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