Angriffe in mehreren Regionen

Russland hat die Zahl seiner Drohnenangriffe auf die Ukraine nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte erneut stark erhöht. In der Nacht auf Sonntag seien 453 unbemannte Fluggeräte sowie eine nicht genannte Zahl von Raketen des Typs «Banderol» eingesetzt worden. Die Luftwaffe meldete, 405 Drohnen und vier dieser Raketen abgeschossen zu haben.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich bereits am Vortag abgezeichnet hatte. Nachts hatte Russland die Ukraine zuvor häufig mit deutlich weniger Drohnen angegriffen.

Betroffen waren mehrere Landesteile. In der Region Odessa wurde ein Gebäude der Post- und Logistikfirma Nova Poshta getroffen, zwei Menschen wurden verletzt. In Boryspil bei Kiew gab es laut dem ukrainischen Zivilschutz mehrere Einschläge in einem Logistikkomplex.

Westukraine rückt stärker ins Visier

Auch im Westen der Ukraine wurden in kurzer Folge Angriffe gemeldet. In der Region Lwiw brannte nach einem Einschlag eine Tankstelle nahe dem Grenzübergang Jahodyn an der Grenze zu Polen. Später teilte die ukrainische Bahn mit, rund zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt sei in Wolhynien eine Lokomotive eines Personenzugs getroffen worden. Verletzte habe es dabei nicht gegeben.

Aus Iwano-Frankiwsk meldete Bürgermeister Ruslan Marzinkiw, der Verkehr in der Stadt sei zeitweise gestoppt worden, auch der Bahnhof habe nicht gearbeitet. Nach einem Einschlag sei dort ein Brand in einem «Nichtwohngebäude» gelöscht worden. Weitere Angriffe wurden aus Ternopil und Chmelnyzkyj gemeldet.

Heute Morgen wurde Frankiwsk mit Shahed-Drohnen angegriffen. Die Schläge richteten sich gegen zivile Infrastruktur. Es gibt leider Hinweise darauf, dass Angriffe auf die Westukraine nun häufiger werden könnten. Wir sehen, dass der ganze Westen des Landes getroffen wird. Wie ich gestern gesagt habe: die Schytomyr-Trasse und die Logistik.

Ruslan Marzinkiw · Bürgermeister von Iwano-Frankiwsk

Nähe zur EU-Grenze erhöht politische Brisanz

Zur Lage am Grenzübergang Jahodyn sagte der Sprecher des ukrainischen Grenzschutzes, Andrij Demtschenko, Russland habe nicht direkt den Grenzübergang selbst angegriffen. Getroffen worden sei Eisenbahninfrastruktur, der Übergang arbeite vorerst normal weiter. Zugleich warnte er, bei einer weiteren Verschärfung der Angriffe in der Region könne der Betrieb beeinträchtigt werden.

Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Angriffe nahe der Grenze zu Polen als «Terror Putins», der «an die Türen von EU und NATO klopft», und forderte schärfere Sanktionen gegen Russland.

Die Folgen für den Bahnverkehr sind bereits spürbar. Nach Angaben der ukrainischen Bahn kommt es landesweit zu massiven Verspätungen, teils bis zu 18 Stunden.